Willkommen
Herzlich Willkommen im Menschen Museum; in einer Ausstellung, die Ihnen unter die Haut gehen wird. Nur das Plastinationsverfahren macht es möglich, so in den menschlichen Körper zu blicken, wie Sie es gleichtun. Sie werden staunen, wie schön wir im Inneren sind. Wie komplex unsere Körper aufgebaut sind und wie großartig sie funktionieren. Sie werden spüren, wie verletzlich wir sind. Wir zeigen Ihnen, was uns in Bewegung versetzt, was uns lachen, lieben und weinen lässt.
Alle Körper, die Sie sehen werden, sind echt. Sie stammen von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt haben, dass ihre Körper nach dem Tod plastiniert werden sollen.
Die Echtheit der Präparate ist ganz wesentlich. Sie zeigen, dass jeder Körper – auch in seinem Inneren – einzigartig ist. Dass wir alle verschieden sind, und dennoch gleich. Und sie vermögen es, uns emotional zu berühren und zum Nachdenken über uns selbst anzuregen – das kann kein Modell und keine Computeranimation erreichen.
#101 - Das Skelett
Unser Skelett ist wie ein Gerüst, das uns von innen hält. Ohne würden wir in uns zusammenfallen wie ein leerer Sack. Sieben bis zehn Kilo wiegt ein menschliches Skelett, und dennoch ist es belastbarer als Stahlbeton.
Ein Erwachsener hat in der Regel 206 Knochen, die mit 100 Gelenken verbunden sind. Manche werden allerdings mit einem Wirbel oder einer Rippe mehr oder weniger geboren. Und Babys haben deutlich mehr Knochen – rund 300. Viele davon wachsen in den ersten Lebensjahren zusammen. Warum das so ist, werden Sie gleich bei den Vitrinen erfahren.
Knochen sind ganz unterschiedlich geformt, je nachdem, welche Funktion sie erfüllen. * Der runde Schädel schützt das Gehirn. Die Wirbelsäule ist aus einzelnen Wirbeln aufgebaut, damit wir uns in alle Richtungen bewegen können. An der Wirbelsäule setzen die Rippen an, die, wie ein Korb, unsere empfindlichen Organe bedecken. Der Schultergürtel, der aus Schulterblatt und Schlüsselbein besteht, verbindet die Arme, der Beckengürtel die Beine mit dem Rumpf.
Die langen Knochen an Armen und Beinen fungieren als Hebel, die die Arbeit der Muskeln in Bewegung umwandeln.
#102 - Der Knochenaufbau
Der Oberschenkelknochen ist der größte Knochen in unserem Körper. Von außen erscheint er massiv, doch das täuscht. Nur die äußere Zone ist kompakt und hart, innen wirkt er geradezu fragil. Winzige Knochenbälkchen bilden eine luftige, schwammartige Struktur. Je nachdem, wie der Knochen belastet wird, formen sie bestimmte Spannungslinien. Dieser Aufbau macht den Knochen leicht und dabei außerordentlich belastbar.
Daneben zeigen wir Ihnen unsere kleinsten Knochen. Sie befinden sich im Ohr. Man nennt sie Hammer, Amboss und Steigbügel, weil sie ein bisschen so aussehen. Sie übertragen die Schallwellen auf das Innenohr, genauer gesagt auf die Schnecke – eine Art Röhre, die wie ein Schneckenhaus gedreht und mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Einen Teil der Schnecke können Sie auch in dem aufgeschnittenen Schädel sehen. Die Schwingungen werden an die Flüssigkeit weitergegeben, die nun kleine Wellen schlägt. An der Innenwand der Schnecke sitzen lauter kleine Härchen, die Sinneszellen. Die Wellen bewegen diese Härchen wie Schilf an einem Seeufer, und diese senden daraufhin elektrische Nervenimpulse ans Gehirn.
In unserem Innenohr liegt auch unser Gleichgewichtsorgan. Sehen Sie die kleinen Bögen neben der Schnecke? Die Bogengänge. Auch sie sind mit einer Flüssigkeit gefüllt und haben kleine Härchen. Wenn wir den Kopf bewegen, schwappt die Flüssigkeit in den Bogengängen hin und her und die Härchen schicken Impulse ans Gehirn, das nun weiß, ob wir uns nach links oder rechts drehen oder hinunterbeugen.
#103 - Das Knochenwachstum
Haben Sie sich je gefragt, warum Kinder so schnell wachsen können? Das kommt daher, weil ihre Knochen noch nicht vollständig verhärtet sind. Unsere Knochen entwickeln sich aus weichem Knorpel- oder Bindegewebe. Während ein Kind im Mutterleib heranwächst, wird das weiche Knorpelgewebe aber nur teilweise in feste Knochen umgewandelt. An dem Knie eines Neugeborenen können Sie sehen, dass die Knochenschäfte bereits verknöchert sind; die Knochenenden sind noch weich und knorpelig. Später, bei Kindern und Jugendlichen, gibt es nur noch einen dünnen knorpeligen Spalt, die sogenannte Wachstumsfuge. Erst mit etwa 18 Jahren sind auch diese Fugen verknöchert und das Wachstum ist abgeschlossen.
Und warum hat ein Baby mehr Knochen als ein Erwachsener? Der Babyschädel verrät es Ihnen. Er besteht aus mehreren einzelnen Knochenplatten. Dazwischen ergeben sich größere Lücken, die mit Bindegewebe ausgefüllt sind – die sogenannten Fontanellen. Dieser Aufbau hat zwei Funktionen. Zum einen erleichtert er die Geburt: Beim Durchtritt durch den engen Geburtskanal schieben sich die Platten wie Dachziegel übereinander. Zum anderen ermöglicht er, dass das Gehirn nach der Geburt weiterwachsen kann. Erst wenn das Hirn seine volle Größe erreicht hat, verfestigen sich die Bindegewebsbrücken zu festem Knochen. Ähnlich wie der Schädel sind auch einige andere Knochen zunächst als mehrere Einzelknochen angelegt, die später miteinander verschmelzen.
#104 - Der Schädel
Unser Schädel besteht aus zwei Teilen: dem Hirnschädel, also der Hülle, gebildet aus acht Knochen. Und dem Gesichtsschädel; das sind 14 Knochen, die Augen- Mund-, und Nasenhöhle bilden und unser Aussehen bestimmen. Bei Erwachsenen sind alle Schädelknochen miteinander verwachsen, mit Ausnahme des Unterkiefers natürlich, der über die Kiefergelenke mit dem Schädel verbunden ist – sonst können Sie weder essen noch sprechen. Hier haben wir die Knochennähte geöffnet, um Ihnen die einzelnen Knochen besser zeigen zu können.
#105 - Bechterew-Krankheit
Schon auf den ersten Blick sieht man, dass dieses Skelett krankhaft verformt ist. Besonders wenn Sie es von der Seite betrachten, fällt die starke Verkrümmung der Wirbelsäule auf. Sie resultiert daraus, dass die einzelnen Wirbel miteinander verwachsen, so dass die Wirbelsäule versteift und ein Betroffener zum Beispiel nicht mehr seinen Kopf wenden kann, sondern immer den ganzen Körper drehen muss, wenn er sich Dingen zuwenden will, die sich seitlich oder hinter ihm befinden .Man nennt dieses Krankheitsbild Morbus Bechterew. Die chronische und sehr schmerzhafte Erkrankung trifft vor allem junge Erwachsene. Männer erkranken häufiger und stärker daran als Frauen.
Auslöser der Krankheit ist eine Störung des Immunsystems. In der Folge entwickelt sich eine chronische Entzündung.
#108 - Osteoporose
An zwei Längsschnitten durch das Knie zeigen wir Ihnen, was bei der Osteoporose, einer Erkrankung der Knochen, passiert. Während beim linken Knie viele kleine Knochenbälkchen wie Schraffuren eine feste tragende Struktur bilden, sind rechts wesentlich weniger Bälkchen zu sehen. Außerdem ist die Außenzone an diesem Knochen im Vergleich schmaler. Dadurch verliert der Knochen seine Belastbarkeit und kann leichter brechen. Diese Verminderung der festen Knochenmasse nennt man Osteoporose. Ursache ist eine Störung bei der Knochenerneuerung.
Gesunde Knochen erneuern sich ständig. Dazu müssen ihnen Eiweiß, Kalzium und Vitamine zugeführt werden. Und sie müssen stetig belastet werden. Außerdem spielen bestimmte Hormone bei diesem Prozess eine Rolle. Daher sind besonders Frauen nach den Wechseljahren betroffen, weil sich ihr Hormonhaushalt verändert. Auch Menschen, die längere Zeit bettlägerig sind und ihre Knochen nicht belasten, verlieren Knochenmasse.
#109 - Die Gelenke
Ein Gelenk verbindet immer zwei oder mehr Knochen miteinander. Es gibt verschiedene Arten von Gelenken:
Das Kugelgelenk ist am beweglichsten. Es verbindet, hier in der Schulter, den kugelförmigen Gelenkkopf des Oberarmknochens mit der Gelenkpfanne am Schulterblatt. Diese Form erlaubt Bewegungen in sechs verschiedene Richtungen: nach vorne und hinten, nach rechts und links und ein- und ausgedreht.
Das Ellbogengelenk besteht genau betrachtet aus drei Teilgelenken, die von einer einzigen Gelenkkapsel umhüllt werden. Das erste ist ein Scharniergelenk, das den Oberarmknochen mit der Elle im Unterarm verbindet. Es lässt Beugung und Streckung zu, also Bewegungen nach vorne und hinten. Das zweite ist die Verbindung zwischen Oberarm und Speiche. Das dritte Gelenk verbindet Elle und Speiche und ermöglicht, dass wir unseren Unterarm drehen können.
Unsere Hand besteht aus 27 Knochen und 15 Gelenken. Sie ist ein wahres Multitalent: Wir können sie in alle Richtungen bewegen, schwere Lasten heben oder geschickt kleinste Teilchen greifen. Dabei benutzen wir die Scharniergelenke der Fingerknochen und das Sattelgelenk des Daumens.
Die Füße müssen unser Gewicht tragen und die Balance halten. Besonders wichtig sind dabei die beiden Sprunggelenke; es sind Scharniergelenke. Das obere benutzen wir, um den Fuß zu heben und zu senken. Das untere brauchen wir zum Ein- und Auswärtsdrehen des Fußes. Dadurch gleichen wir beim Laufen die Unebenheiten des Bodens aus.
#110 - Gelenkverschleiß
Das Kniegelenk verbindet den Oberschenkel mit dem Schienbein. Bei dem gesunden Knie sind die Knorpel, die die Reibung vermindern, auf den Gelenkflächen gleichmäßig und glatt. Das andere Kniegelenk zeigt eine schwere Arthrose. Die Knorpelüberzüge sind dort rau und haben Schleifspuren. An einigen Stellen ist der Knochen bereits abgeschliffen – ein Zeichen, dass die Krankheit längere Zeit bestand. Der Knochen hat mit Wucherungen reagiert. Dieser Mensch litt sicher unter starken Schmerzen.
Knorpel nutzen sich mit zunehmendem Alter ab, verlieren ihre Elastizität und werden spröde. Die Knie- und Hüftgelenke sind besonders häufig betroffen, da sie unser gesamtes Körpergewicht tragen müssen.
Bei schwerer Arthrose kann das abgenutzte Gelenk durch eine Prothese ersetzt werden, wie Sie sie hier an dem Hüftgelenk sehen können. Die Prothese ahmt das natürliche Gelenk in seiner Form und dem Neigungswinkel nach. Die Kugel besteht aus poliertem Edelstahl und sitzt auf einem langen Stiel, der in den Oberschenkelknochen einzementiert wird.
#111 - Die Wirbelsäule
Dank der raffinierten Bauweise unserer Wirbelsäule können wir uns strecken, beugen und drehen. Sie hält unseren Körper aufrecht. Die Wirbelsäule besteht aus 24 einzelnen Knochen, den Wirbeln, dazu kommen das Kreuzbein und das Steißbein. Zwischen den Wirbeln befinden sich kleine Scheiben aus Bindegewebe, die mit einer Art weichem Gelee gefüllt sind, die Bandscheiben. Sie verhindern zum einen, dass die Wirbel aneinander reiben; zum anderen dienen sie als Stoßdämpfer, wenn wir zum Beispiel in die Höhe springen und beim Landen gestaucht werden. Wie wichtig sie sind, merken wir erst, wenn sie Probleme machen – wie bei einem Bandscheibenvorfall. Dabei rutscht der weiche Kern einer Bandscheibe aus dem umgebenden Bindegewebe heraus. Wenn er dabei auf einen Nerv drückt, ist das äußerst schmerzhaft.
Ist die Wirbelsäule seitlich verbogen, spricht man von einer Skoliose. Bei Betroffenen hängt dann zum Beispiel eine Schulter tiefer als die andere oder ein Schulterblatt ragt auf einer Seite weiter heraus. In so schweren Fällen wie hier ist der Brustkorb so deformiert, dass die Lungen sich nicht richtig ausdehnen können und es zu Atemstörungen kommt.
#112 - Das Muskelsystem
Um uns zu bewegen, brauchen wir Knochen und Gelenke und natürlich unsere Muskeln. Wir haben über 600. Um zu lächeln, benötigen wir 20 davon.
Ein Muskel besteht aus vielen einzelnen Fasern, die sich verkürzen können. So zieht sich der Muskel zusammen und bewegt die Knochen, mit denen er verbunden ist.
Ein Muskel arbeitet nie allein, sondern immer im Team mit anderen Muskeln. Die Mitspieler, medizinisch gesagt die Synergisten, ziehen alle in die gleiche Richtung. Und weil sich Muskeln nur verkürzen können und nicht aus eigener Kraft wieder strecken gibt es die Gegenspieler, die Antagonisten, die entgegengesetzt ziehen. Wenn Sie jetzt Ihren Unterarm beugen und dann wieder strecken, sind erst die Mitspieler und dann die Gegenspieler am Werk:
Der Bizeps, der dicke Muskel an der Vorderseite des Oberarms, und seine Mitspieler verkürzen sich und beugen den Unterarm. Der Gegenspieler, der Trizeps befindet sich auf der Rückseite des Oberarms. Verkürzen sich seine Muskelfasern, streckt sich Ihr Arm.
Synergisten und Antagonisten arbeiten perfekt aufeinander abgestimmt: zieht sich die eine Muskelgruppe zusammen, bremst die andere überschüssige Energie ab. So kommen fließende, abgestufte Bewegungen zustande.
#201 - Das Verdauungssystem
Um sich zu bewegen, brauchen unsere Muskeln Energie, die unser Verdauungssystem aus der Nahrung gewinnt. Es ist, vereinfacht gesagt, ein Schlauchsystem von ungefähr sieben Metern Länge – von der Zunge bis zum Enddarm.
Zuerst zerkleinern wir das Essen grob im Mund. Nach dem Schlucken rutscht es über die Speiseröhre in den Magen – was übrigens auch funktioniert, wenn wir auf dem Kopf stehen. Im Magen wird die Speise mit Magensaft durchmischt und dann weitergeleitet in den oberen Teil des Dünndarms, den sogenannten Zwölffingerdarm. Hier werden Verdauungssäfte aus Leber und Bauchspeicheldrüse zugesetzt. Dann geht es weiter in den Dünndarm, den Hauptort der Verdauung: Dort wird die Nahrung in ihre Moleküle zerlegt. Die Nährstoffmoleküle treten durch die Darmwand ins Blut über, das sie weiter transportiert, erst zur Leber und dann in die vielen, vielen Zellen in unserem Körper. Unverdauliche Bestandteile gelangen vom Dünndarm in den Dickdarm, wo ihnen Wasser entzogen wird. Anschließend werden sie über den Enddarm ausgeschieden. Der gesamte Prozess dauert etwa einen Tag.
#202 - Magen & Darm
Die Größe und Form unseres Magens und sogar seine Lage im Bauchraum ist bei jedem Menschen ein bisschen anders, je nach Alter und Eßgewohnheiten. Ein Magen kann zwei bis drei Liter Nahrung aufnehmen. Innen ist er mit einer faltigen Schleimhaut ausgekleidet. Ihre Drüsen produzieren den Magensaft, rund zwei Liter täglich – eine aggressive Substanz aus Salzsäure und Enzymen. Die Drüsen sondern zudem einen Schleim ab, der die Magenwand bedeckt – sonst würde er sich selbst verdauen.
Im Dünndarm kommen aus der Bauchspeicheldrüse Enzyme dazu, die Eiweiße und Kohlenhydrate aufspalten. Der Gallensaft aus der Leber dient der Fettverdauung, indem er Fette emulgiert, das heißt in kleine Tröpfchen zersetzt. Um der Nahrung Nährstoffe zu entziehen, muss sie in Moleküle zerlegt werden, die durch die Darmwand in unser Blut gelangen. Da wir sehr, sehr viele Nährstoffmoleküle benötigen, muss die Aufnahmefläche möglichst groß sein. Deshalb ist die Dünndarmwand innen mehrfach gefaltet und mit unzähligen winzigen Zotten übersät. So vergrößert sich ihre Oberfläche enorm: Ausgebreitet hätte unser Darm in etwa die Fläche eines Tennisplatzes.
#203 - Dickdarm & Blinddarm
Nicht alle Nahrungsbestandteile gehen im Dünndarm ins Blut über. Dem, was der Körper nicht benötigt, wird im Dickdarm das Wasser entzogen. Die Dickdarmschleimhaut ist von einer Unzahl von Bakterien besiedelt, die bei der Verdauung helfen, Vitamine produzieren und unser Immunsystem unterstützen. In jedem Gramm Stuhl leben mehr Bakterien als Menschen auf der Erde. Der Mensch ist also weniger ein Einzelwesen als eine Wohngemeinschaft für Mikroben.
Der erste Abschnitt des Dickdarms heißt Blinddarm, weil er, wie eine Sackgasse, blind endet. An ihm hängt der Wurmfortsatz, der Appendix. Bei einer Blinddarmentzündung ist nur der Appendix betroffen, nicht der ganze Blinddarm.
Die Leber, Sie sehen sie am Ende der Vitrine, ist eine Art Zentrallabor in unserem Körper. Sie erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben, vor allem aber ist sie das zentrale Stoffwechselorgan.
Wenn die Nahrungsmoleküle vom Darm ins Blut übergetreten sind, wandern sie erst einmal durch die Leber und werden dort verarbeitet. Zucker beispielsweise wird dort in Glykogen umgewandelt und als Energiespeicher eingelagert. Außerdem filtert die Leber Giftstoffe wie Alkohol aus dem Blut heraus und wandelt sie in harmlose Abfallprodukte um.
#204 - Die Leber
Die Leber entgiftet den Körper von Alkohol. Aber natürlich können wir nicht beliebig viel Alkohol trinken, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Denn beim Abbau von Alkohol werden Leberzellen geschädigt. Die Folge: Fette werden nicht mehr so gut verarbeitet und weitergegeben, die Leber lagert das Fett ein und vergrößert sich. Eine Verfettung kann sich jedoch langsam zurückbilden, wenn wir wieder vernünftiger leben. Wer hingegen anhaltend zu viel Alkohol trinkt, schädigt seine Leber dauerhaft. Immer mehr Zellen sterben ab und werden durch Narben aus Bindegewebe ersetzt, die das gesamte Organ wie ein Netz durchziehen. Die Leber schrumpft. Die Schrumpfleber, auch Leberzirrhose genannt, ist die eine häufige Todesursache bei Alkoholikern.
#206 - Brust- & Bauchorgane
An diesem Präparat können Sie die Brust- und Bauchorgane betrachten. Sie liegen in unserem Körper eng aneinander und sind nur durch einen feinen Flüssigkeitsfilm getrennt. Im Brustraum befinden sich Lunge und Herz. Darunter sehen Sie den Magen und links daneben die Leber. Hier ist sie etwas vergrößert und von Metastasen durchwachsen, Tochtergeschwülste eines Tumors, der irgendwo im Körper gewachsen ist. Unter Leber und Magen verläuft der Dickdarm, er umgibt den Dünndarm wie ein Rahmen und mündet auf der linken Körperseite in den Enddarm. Während wir verdauen, ist unser Darm ständig in Bewegung und transportiert den Speisebrei mit wellenförmigen Muskelbewegungen weiter. Man nennt das Peristaltik. Diese Darmbewegungen können wir zwar nicht bewusst steuern, aber zumindest anregen: wenn wir essen oder Essen riechen. Und wenn gar nichts mehr geht – mit Abführmittel.
#208 - Fettleibigkeit
Hier können Sie sehen, wie Fettleibigkeit sozusagen von innen aussieht. Zunächst die enorme Fettschicht direkt unter der Haut. Im Bauchraum sehen Sie, dass selbst die Organe von größeren Fettmassen umgeben sind.
Dieser Mann war fettleibig, sein Bauch verdeckte sogar seinen Penis. In Deutschland gelten etwa 40% der Bevölkerung als zu dick. Mangelnde Bewegung und übermäßiges Essen, aber auch andere Faktoren zum Beispiel Stress können zu Übergewicht führen.
Bis zu einem bestimmten Maß ist Körperfett aber auch lebenswichtig. Unser Körper speichert so Energie, hält sich warm oder polstert damit bestimmte Körperstellen, zum Beispiel die Fußsohlen. Ein zu hoher Anteil an Körperfett aber ist gefährlich und kann zu Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck führen. Die größte Gefahr geht dabei vom Fett im Bauchraum aus. Besonders bei Männern setzt es dort an, wohingegen es bei Frauen eher auf die Hüften geht.
#209 - Der Harntrakt
In unserem Körper gibt es nicht nur gute und nützliche Stoffe, es gibt auch jede Menge Abfall und sogar Gifte. Um das loszuwerden, braucht man so etwas wie ein Filtersystem, und das sehen Sie hier: unseren Harntrakt.
Die Nieren filtern aus dem Blut die Abfallstoffe heraus, die dann über den Urin ausgeschieden werden. Der Urin wandert von den Nieren durch die Harnleiter in die Blase, wo er gesammelt wird. Wenn die Blase voll ist, verspüren wir Harndrang und scheiden den Urin über die Harnröhre aus. Bei der Frau endet die Harnröhre direkt vor der Vagina, sie ist nur etwa vier Zentimeter lang. Die Harnröhre des Mannes ist rund 20 Zentimeter lang und führt durch die Prostatadrüse und den Penis hindurch.
#210 - Die Nieren
Unser gesamtes Blut, das sind ungefähr 5 Liter, wird ständig von unseren Nieren gereinigt. Dies geschieht in der Nierenrinde. An der aufgeschnittenen Niere können Sie die rote, stark durchblutete Nierenrinde erkennen. Im Inneren der Niere, im Nierenmark, wird der Urin konzentriert und gelangt dann über das Nierenbecken in die Harnleiter und weiter in die Blase.
Neben ihrer Filterfunktion haben die Nieren noch weitere Aufgaben. Sie regulieren auch unseren Flüssigkeitshaushalt und den Blutdruck in unserem Körper, indem sie dafür sorgen, dass mehr oder weniger Wasser ausgeschieden wird. Je weniger Wasser ausgeschieden wird, desto mehr verbleibt im Blut, desto dünner wird das Blut und desto höher wird der Blutdruck. Umgekehrt: wenn mehr Wasser abgegeben wird, dann sinkt der Blutdruck.
Wie alle Organe können auch die Nieren erkranken. Hier zeigen wir Ihnen verschiedene Nierenleiden. Eine Schrumpfniere entsteht meist durch eine chronische Nierenentzündung. Diese zerstört allmählich das Gewebe und die Niere schrumpft.
Zysten in der Niere gibt es häufig. Sie kommen bei jedem zehnten Menschen vor. Einzelne dieser mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume verursachen meist keine Beschwerden. Anders bei dem Präparat am Ende der Vitrine. Es zeigt eine angeborene Nierenkrankheit. In dieser Niere enden innerhalb des Gewebes sehr viele ableitende Sammelröhrchen blind, dann staut sich der Harn in den Blindsäcken auf und es entstehen diese ungewöhnlich vielen Zysten, die schließlich zum Nierenversagen führen.
#213 - Männliche Fortpflanzungsorgane
Beim Mann ist ein großer Teil der Geschlechtsorgane von außen sichtbar: der Penis und der Hodensack, der die beiden Hoden enthält. Innen befinden sich die Samenbläschen und die Prostata.
Dass die Hoden außen liegen, hat einen Grund. In ihnen reifen Tag für Tag etwa 300 Millionen Spermien heran. Und für diese Reifung brauchen sie eine etwas niedrigere Temperatur – im Körper wäre es bei 37 Grad einfach zu warm.
Gespeichert werden die Spermien in den Nebenhoden, die wie Kapuzen auf den Hoden sitzen. Beim Orgasmus gelangen die Spermien über die Samenleiter aus den Nebenhoden in die Harnröhre. Dort werden ihnen die Sekrete der Prostata beigemischt, die die Samenzellen beweglicher machen. Durch rhythmische Kontraktionen wird das Sperma über die Harnröhre ausgestoßen. In der Installation hier an der Wand sehen Sie etwa so viele Reiskörner, wie sich in einem Ejakulat befinden.
Neben einer gesunden Prostata zeigen wir Ihnen hier auch eine krankhaft vergrößerte. Die Prostata liegt direkt unter der Blase und umgreift wie ein Ring die Harnröhre. Eine gesunde Prostata hat etwa die Größe einer Kastanie. Wenn Männer älter werden, neigt die Prostata jedoch dazu, sich zu vergrößern. Oft wird dabei die Harnröhre eingeengt und der Urin kann nicht mehr richtig abfließen.
#214 -Weibliche Fortpflanzungsorgane
Die Geschlechtsorgane der Frau liegen weitgehend im Körperinneren: die beiden Eierstöcke mit den Eileitern, die Gebärmutter und die Scheide. Sämtliche Eizellen sind bereits bei der Geburt in den Eierstöcken angelegt. Sie befinden sich dort in einer Art Ruhestadium. Ab der Pubertät reift dann alle vier Wochen eine Eizelle heran und gelangt über einen der Eileiter in die Gebärmutter. Trifft sie unterwegs auf ein Spermium, kommt es zur Befruchtung. Dann nistet sie sich in der Gebärmutter ein und macht vor allem eines, sie teilt sich und teilt sich und allmählich wächst ein Kind heran. Wurde die Eizelle nicht befruchtet, wird sie während der Menstruation ausgestoßen, zusammen mit der Gebärmutterschleimhaut, die sich in jedem Zyklus erneuert.
In der Gebärmutterwand können bisweilen gutartige Wucherungen auftreten. Diese sogenannten Myome sind – im Gegensatz zu bösartigen Tumoren – ungefährlich, da sie das Gewebe nicht zerstören und meistens keinerlei Beschwerden verursachen.
Auch die weibliche Brust spielt eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung: Sobald das Baby geboren ist, beginnt sie vermehrt Muttermilch zu produzieren – die optimale Säuglingsnahrung. Muttermilch enthält mehr Zucker und Fett als Kuhmilch, und sie schützt das Baby vor Erkrankungen. Damit die Brust Milch produzieren kann, ist ihr Fettgewebe von einem feinen Netz von Milchdrüsen durchzogen.
Wir zeigen Ihnen hier auch eine Brust, die fast komplett von derbem Krebsgewebe durchwachsen ist. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen
#301 - Embryonalentwicklung
Unsere Körper bestehen aus Milliarden verschiedener Zellen, aber entstanden sind alle aus einer einzigen – als die väterliche Samenzelle und die mütterliche Eizelle miteinander verschmolzen sind. Diese einzelne Zelle enthält den gesamten Bauplan eines Menschen: seine Größe, seine Haar- und Augenfarbe, seinen Charakter.
Etwa 30 Stunden nach der Befruchtung beginnt sich die Zelle zu verändern. Auf ihrem Weg zur Gebärmutter teilt sie sich – immer und immer wieder – bevor sie sich dort am sechsten Tag in die Schleimhaut einnistet. Von nun an dauert die Schwangerschaft rund 260 Tage und der kleine Organismus wird als Embryo bezeichnet.
Die Zellen teilen sich weiter und immer weiter und schon bald spezialisieren sie sich auf verschiedene Bereiche. Nach vier Wochen hat der winzige Embryo bereits ein Herz, eine Vorform der Augen und vier Knospen, aus denen die Gliedmaßen hervor wachsen. Er ist etwa vier Millimeter groß. Bis zum Ende der achten Woche wächst er auf anderthalb Zentimeter heran. Alle wichtigen Organe sind dann als Anlage vorhanden, und der Embryo sieht bereits wie ein winziges Kind aus.
#302 - Fötale Entwicklung
Mit dem Beginn des dritten Schwangerschaftsmonats beginnt eine neue Phase, alle wichtigen Organe sind angelegt, ab jetzt wächst und reift das Kind. Man spricht nicht mehr vom Embryo, sondern vom Fötus.
In der 13. Woche richtet sich der Kopf auf, die Beine sind bereits gut entwickelt, die Zehennägel beginnen zu wachsen.
15. Woche: Der Fötus ist rund 15 Zentimeter lang und 200 Gramm schwer. Im Ultraschallbild ist sein Geschlecht erkennbar.
17. Woche: Bei weiblichen Föten hat sich die Gebärmutter entwickelt. Mütter, die schon einmal entbunden haben, spüren vielleicht bereits die Bewegungen ihres Kindes, Erstgebärende etwa zwei Wochen später.
22. bis 24. Woche: Der Fötus ist rund 28 Zentimeter groß und wiegt etwa 450 Gramm. Die Proportionen des Körpers verändern sich, die Fingernägel beginnen zu wachsen. Die Lungen sind atmungsfähig, aber noch nicht mit dem Nervensystem koordiniert.
28. Woche: Das Kind kann die Augen öffnen, die Lungen sind reif. Nach sieben Monaten ist es soweit entwickelt, dass es im Falle einer Frühgeburt lebensfähig wäre.
In den letzten zwei Monaten nimmt der Fötus hauptsächlich an Größe und Gewicht zu. Bei der Geburt misst das Baby etwa 50 Zentimeter und wiegt zwischen drei und vier Kilo.
#304 - Die Plazenta
Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein extrem stark durchblutetes Gewebe, das zum Kind gehört, und nicht, wie der Name es nahe legt, zur Mutter. Die Plazenta entwickelt sich gleich zu Anfang einer Schwangerschaft aus der befruchteten Eizelle, dort, wo sie sich in die Gebärmutter eingenistet hat. Das Baby ist über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Sein Herz pumpt sein Blut durch die Nabelschnur in die Plazenta hinein. Die Gefäße der Plazenta werden vom Blut der Mutter umspült. Dabei werden Nährstoffe und Sauerstoff aus dem Kreislauf der Mutter aufgenommen und gegen Abfallprodukte des Kindes ausgetauscht. Das passiert, ohne dass sich das Blut von Kind und Mutter durchmischt.
Bei eineiigen Zwillingen kann sich eine Zwillingsplazenta bilden, die beide Kinder ernährt. Es kann aber auch jeder eine eigene haben. Bei zweieiigen Zwillingen existieren immer zwei voneinander getrennte Plazenten. In jedem Fall wird nach der Geburt die Nabelschnur durchtrennt und die Plazenta wird mit der Nachgeburt ausgestoßen.
#401 - Das Herz
Das Herz ist der Motor unseres Herz-Kreislaufsystems. Über das dichte Netz der Blutgefäße verteilt es das Blut in unserem Körper und sorgt so dafür, dass Muskeln und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Im Ruhezustand schlägt unser Herz rund 70 Mal pro Minute. Wenn wir uns anstrengen, brauchen die Muskeln mehr Sauerstoff, und es schlägt schneller. Mit jedem Schlag schafft es ungefähr eine Espressotasse voll, in der Minute sind das rund 5 Liter!
Am aufgeschnittenen Herz sehen Sie die linke und die rechte Herzhälfte, die durch die Herzscheidewand voneinander getrennt sind. In den linken Vorhof und die linke Kammer gelangt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge. Von dort wird es über die Arterien in den Körper gepumpt. Die Venen bringen das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen, erst in den rechten Vorhof, dann in die rechte Kammer und von dort aus zur erneuten Sauerstoffaufnahme in die Lunge.
Vier Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut immer in die richtige Richtung gepumpt wird und nicht zurückfließt. Beim Blick von oben auf das Herz können Sie die Klappen erkennen. Zwei trennen die Vorhöfe von den Kammern; die anderen beiden sitzen an den Ausgängen zwischen Kammer und Blutgefäß.
Wenn sich eine Herzklappe nicht mehr richtig öffnet oder schließt, kann es zu einer Überlastung des Herzens kommen. Meist ist die Ursache ein bakterieller Infekt. Danach bleiben Narben zurück, die die Herzfunktion erheblich beeinträchtigen können. Man kann heute die betroffenen Klappen durch künstliche Ventile ersetzen.
#402 - Koronare Herzerkrankung
Das Herz ist dazu da, das Blut in den Körper zu pumpen, aber natürlich benötigt es auch eigene Blutgefäße, die es mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, die Herzkranzgefäße. Von der Aorta, der großen Hauptschlagader, ausgehend verzweigen sie sich in immer kleinere Adern, die in den Herzmuskel hineinführen.
Mit fortschreitendem Alter können sich in den Herzkranzgefäßen Ablagerungen bilden, die den Durchfluss des Blutes behindern. Bricht eine solche Ablagerung plötzlich auf, bildet sich ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verschließt und die Blutzufuhr wird unterbrochen. Das ist ein Herzinfarkt. Wird der Blutfluss nicht schnell wiederhergestellt, stirbt das Gewebe nach wenigen Stunden ab. Das kann die Funktion des gesamten Herzmuskels bedrohen und macht den Herzinfarkt zu einem lebensgefährlichen Ereignis.
Sie sehen hier ein Herz nach einem überstandenen Herzinfarkt. Die abgestorbenen Zellen wurden allmählich durch weißes Narbengewebe ersetzt. Die Herzwand ist in diesem Bereich deutlich dünner.
Ein Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache aus scheinbar völliger Gesundheit heraus. Raucher, Übergewichtige, Menschen mit Bluthochdruck oder einem erhöhten Cholesterinspiegel sind besonders gefährdet.
#404 - Die Arterien
Die größte Arterie unseres Körpers, unsere Hauptschlagader, ist die Aorta. Sie entspringt der linken Herzkammer und transportiert das sauerstoffhaltige Blut in den Körper. Das erste, glatte Präparat zeigt die Innenseite einer gesunden Aorta, in der Mitte finden Sie Aorten, die von Arteriosklerose oder „Arterienverkalkung“ betroffen sind.
Im Lauf der Jahre, vor allem bei einem ungesunden Lebensstil, lagern sich Blutfette und Eiweiße in den Gefäßwänden ein, so dass die Wand dort dicker und härter wird und schließlich verkalkt. Die betroffenen Stellen können aufreißen und es entstehen kleine Geschwüre an der Gefäßwand. Hier bilden sich oft Blutgerinnsel, die das Gefäß noch weiter einengen. Es kommt zu Durchblutungsstörungen. Bisweilen entstehen auch Aneurysmen, das sind sackförmige Ausbuchtungen in den Gefäßwänden. Die Wand einer solchen Aussackung ist meist sehr dünn und kann leicht reißen und eine schwere Blutung verursachen, die im schlimmsten Fall tödlich ist. Eine seltene, extrem vergrößerte Aorta sehen Sie ganz außen. Solche monströsen Aussackungen sind glücklicherweise sehr selten.
#405 - Die Milz
Das ist eine Milz – das Organ, von dem viele Menschen gar nicht genau wissen, was es eigentlich tut. Sie liegt verborgen im linken Oberbauch gleich unter dem Zwerchfell und hat zwei Aufgaben: sie baut veraltete Blutzellen ab und bildet Immunzellen und Abwehrstoffe. Eine gesunde Milz wiegt etwa 100 Gramm. Bei einer Infektionskrankheit kann sie sich deutlich vergrößern. Eine größere Milz kann aber auch auf Leberzirrhose hinweisen, oder, wie bei unserem Präparat, auf Leukämie – Blutkrebs. In Extremfällen kann die Milz dann auf zehn Kilogramm anschwellen.
Obwohl sie so wichtige Aufgaben erfüllt, gehört die Milz nicht zu den lebensnotwendigen Organen. Falls sie bei einem Unfall verletzt wird und entfernt werden muss, übernehmen nach einer gewissen Zeit andere Organe ihre Aufgaben: der Abbau der Blutzellen findet dann in der Leber statt. Die Bildung von Immunzellen geschieht ohnehin in mehreren Organen, vor allem im Knochenmark und in den Lymphknoten.
#407 - Gefäßgestalten
Hier sehen sie die Arterien des Arms und der Hand. Die allerfeinsten Kapillargefäße sind hier noch nicht einmal sichtbar. Sie können sich vorstellen, wie dicht und gedrängt es in unserem Körper zugeht. Das Netz wäre also eigentlich noch dichter. Und dies sind nur die Arterien.
Mit üblichen Methoden, also freischneiden mit Schere und Pinzette, würde es nicht gelingen, diese feinen Strukturen herauszupräparieren. Daher wurde ein anderer Weg gewählt: Zunächst wurde sehr dünnflüssiger farbiger Kunststoff in die Arterien eingespritzt. Nachdem er ausgehärtet war und die Form der Adern angenommen hatte, wurde das Weichteilgewebe, das die Gefäße außen umgab, mit Hilfe von Enzymen entfernt. Genau genommen sehen Sie also nicht die Arterien selbst, sondern ihren Ausguss aus Kunststoff.
# 679 - Schwebender Arterienmann
Dieses Präparat wurde mit einer neuartigen Technik hergestellt, die es erlaubt, die Arterien sichtbar zu machen.
Der Körper wird von einem unglaublich dichten Netz von Blutgefäßen durchzogen, die sich immer mehr in immer kleinere Gefäße verzweigen, bis hin zur einzelnen Zelle in Organen und Muskeln. Hier sehen Sie nur die Arterien, also die vom Herzen abgehenden Adern, und von diesen nur die dickeren Gefäße – so können Sie sich vorstellen, wie dicht das Gesamtsystem der Blutgefäße ist.
Die kleinsten Äderchen nennt man Kapillaren, ihr Durchmesser ist nur um ein weniges größer als ein rotes Blutkörperchen, das Sie mit bloßem Auge nicht sehen können. Die Wände der Kapillaren bestehen aus nur einer Zellschicht, und das erlaubt den Transport von Nährstoffen, Sauerstoff und Hormonen in die Zelle hinein und von Abfallstoffen wie Kohlendioxid aus der Zelle heraus.
Zurück in das Herz fließt das Blut durch die Venen. Sie beginnen mit Kapillaren, vereinigen sich zu immer größeren Gefäßen und münden schließlich in zwei große Hohlvenen, die das Blut in den rechten Herzvorhof transportieren.
Das was Sie hier vor sich sehen, sind übrigens nicht die Arterien selbst, sondern ihre Form in Kunststoff. Mit den Standarttechniken der anatomischen Präparation wäre es unmöglich, diese feinen Strukturen zu zeigen. Das Blutgefäßsystem ist viel zu fein und zu dicht, als dass man es mit Skalpell und Pinzette freilegen könnte. Daher mussten hier völlig neue Wege beschritten werden: Zunächst wird eine dünnflüssige Kunststofflösung in die Arterien gespritzt. Nachdem diese ausgehärtet ist, hat sie die Form der Adern angenommen, und es wird nun mit Hilfe von Enzymen das umliegende weiche Gewebe entfernt. Also sehen Sie jetzt die Form der Arterien in Kunststoff.
#408 - Die Atmungorgane
Ungefähr 20.000 Mal am Tag atmen wir ein und aus, meist ohne es überhaupt zu bemerken. Unser Gehirn steuert die Atemfrequenz automatisch. Pro Minute strömen etwa fünf Liter Luft über Nase, Rachen und Luftröhre in die beiden Flügel der Lunge. In den Lungenflügeln verzweigen sich die Bronchien wie die Äste eines Baumes. An ihren Enden sitzen winzige Luftbläschen, die von feinen Blutgefäßen umgeben sind. Hier findet der Gasaustausch statt: Sauerstoff gelangt ins Blut und Kohlendioxid wird aus dem Blut an die Atemluft abgegeben.
Unsere Atmung ist auch entscheidend dafür, dass wir sprechen und singen können. Das Schlüsselorgan dafür ist der Kehlkopf. Er sitzt am Eingang zur Luftröhre. Oben hat er eine Klappe, die beim Schlucken die Luftröhre verschließt, damit die Nahrung in die Speiseröhre dahinter gleitet. In der Mitte liegen die Stimmbänder. Beim Sprechen werden sie von feinen Muskeln gespannt und durch den ausströmenden Atem in Schwingungen versetzt. Die Schallwellen, die dabei entstehen, sind die Laute, die in der Mundhöhle mit Zunge und Lippen zu Wörtern geformt werden.
#409 - Das Zwerchfell
Wenn wir einatmen, haben wir das Gefühl, die Luft in die Lunge zu saugen und sie dadurch aufzublasen. In Wirklichkeit ist die Ausdehnung der Lunge aber ein passiver Vorgang. Beim Einatmen erweitert sich der Brustraum, weil er durch Muskeln auseinandergezogen wird. Den wichtigsten Atemmuskel sehen Sie hier: das Zwerchfell, eine dünne Muskelplatte, die sich wie eine Kuppel zwischen Brust- und Bauchraum spannt. Ziehen sich die Muskeln des Zwerchfells zusammen, senkt es sich mit der Lunge nach unten. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der die Luft durch Mund und Nase einströmen lässt. Beim Ausatmen entspannen sich die Muskeln, der Brustraum wird wieder verkleinert, und die Luft wird hinausgepresst.
#410 - Raucherlunge & Lungenkrebs
Hier sehen Sie eine Raucherlunge. Mit dem Zigarettenrauch atmet ein Raucher Ruß- und Teerpartikel ein, die die Lunge schwarz färben. Wenn Sie zwanzig Zigaretten täglich rauchen, schütten Sie sich eine Kaffeetasse voll Teer pro Jahr in die Lunge.
Eine geringe Menge Schmutzpartikel atmen wir immer ein, vor allem in einer Großstadt. Unsere Bronchien fangen die meisten ab, binden sie in Schleim, den feinste Härchen an den Bronchialwänden nach oben transportieren, wo wir ihn abhusten können. Staubpartikel, die es trotzdem bis ins Lungengewebe schaffen, werden dort abgebaut – aber nur bis zu einer bestimmten Menge. Raucher überfordern den Reinigungsmechanismus hoffnungslos.
Die gute Nachricht ist: Wenn man es geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören, kann sich die Lunge erholen und nimmt langsam wieder ihre natürlich Farbe an. Wer es nicht schafft, spielt mit seinem Leben.
Das Lungengewebe eines dieser Präparate hat Löcher wie ein Schweizer Käse. Schadstoffe im Rauch zerstören mit der Zeit die Wände der Lungenbläschen und lassen Hohlräume entstehen, die sich nie wieder zurückbilden. Dieses Krankheitsbild nennt man Lungenemphysem.
Langjähriges Rauchen kann außerdem zu Krebs in Mund, Kehlkopf, Atemwegen, Lungen oder Harnblase führen. In der nächsten Vitrine sehen Sie eine Lunge mit Lungenkrebs. Der Tumor hat den rechten Lungeflügel weiträumig durchsetzt, so dass er kaum noch belüftet ist; die betroffene Lunge sieht daher viel kleiner aus als die andere. Lungenkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache. Weltweit werden jährlich Millionen Todesfälle durch zigarettenbedingten Lungenkrebs verursacht.
#501 - Zentrales & peripheres Nervensystem
Unser Körper ist vom Kopf bis zu den Zehen von lauter feinen Nervenfasern durchzogen. Zusammen mit Gehirn und Rückenmark bilden sie das Nervensystem.
Das Gehirn ist die Steuerungszentrale, die Nerven sind die Leitungen. Aus Gehirn und Rückenmark treten zu Strängen gebündelte Nervenfasern aus und verzweigen sich spinnenwebenfein. Wir zeigen nur die Hauptstränge. Unser dickster Nervenstrang zweigt unten aus dem Rückenmark ab und läuft die Rückseite des Oberschenkels hinab. Es ist der Ischiasnerv.
Die kleinsten Bausteine des Nervensystems sind die Nervenzellen, die Sie mit bloßem Auge natürlich nicht sehen können. Sie nehmen Informationen auf und verarbeiten sie.
Mit „Informationen“ meinen wir zum Beispiel Sinneseindrücke. Etwa das, was ich gerade sage und Sie hören. Die Schallwellen, die in Ihr Ohr gelangen, werden umgewandelt und als elektrische Impulse über die Nervenfasern zum Hirn geleitet. Dort entsteht nicht nur der Sinneseindruck, dass ich gerade „Sinneseindruck“ gesagt habe. Gleichzeitig sendet das Hirn Informationen an die Muskelfasern Ihrer Beine, damit Sie die Balance halten und nicht umfallen.
#503 - Das Gehrin
Das Gehirn besteht hauptsächlich aus Nervengewebe; gut geschützt liegt es im Schädel. Von oben steht es mit seinen vielen Furchen und Windungen ein bisschen aus wie eine Walnuss. Das ist die Großhirnrinde, medizinisch gesagt der Cortex. Die Falten sind im Lauf von Jahrmillionen entstanden, als unser Gehirn während der Evolution immer größer wurde und sich daher zusammenfalten musste. Fast zwei Drittel der Oberfläche liegen in diesen Furchen verborgen. Flach ausgebreitet würde die Hirnrinde einen ganzen Tisch bedecken.
Das Großhirn ist Sitz des Bewusstseins und des intelligenten Handelns. Eine tiefe Furche trennt es in eine linke und eine rechte Gehirnhälfte, die in der Tiefe durch den sogenannten Balken, den Corpus Callosum, miteinander verbunden sind. Darunter liegen das Kleinhirn und der Hirnstamm, der in das Rückenmark übergeht. Sie steuern viele Basisfunktionen. Der Hirnstamm, unter anderem Atmung, Kreislauf und Verdauung, das Kleinhirn sorgt dafür, dass wir das Gleichgewicht halten, und dass unsere Körperbewegungen koordiniert ablaufen.
#504 - Blutversorgung des Gehirns
Um seine vielen Aufgaben zu erfüllen, benötigt unser Gehirn sehr viel Energie. Nährstoffe und Sauerstoff liefern diese Energie und das Blut bringt sie dahin, wo sie gebraucht wird. Darum zeigen wir Ihnen hier ein Präparat der Arterien, oder anders gesagt: der Blutversorgung des Gehirns. Wie Sie sehen, ist unser Gehirn sehr gut durchblutet. Obwohl es nur etwa zwei Prozent unserer Körpermasse ausmacht, beansprucht es 20 Prozent unseres Blutkreislaufs. Und es reagiert viel sensibler auf Unterversorgung als andere Organe. Wird die Blutzufuhr für nur zehn Sekunden unterbrochen, verlieren wir das Bewusstsein. Nach drei Minuten ohne Sauerstoff bleiben irreversible Schäden zurück. Nach fünf Minuten sind wir tot.
An dem Scheibenpräparat können Sie schwarze Bereiche erkennen. Das sind Blutungen, die durch einen Hirnschlag hervorgerufen wurden. Weil dieses Ereignis plötzlich auftritt, oft aus völligem Wohlbefinden heraus, spricht man umgangssprachlich von einem Schlaganfall. Ursache ist meist eine verstopfte Hirnschlagader, hervorgerufen durch ein Blutgerinnsel oder durch Kalkablagerungen. Der Betroffene kann dann zum Beispiel nicht mehr sprechen oder einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen.
Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und ein zu hoher Cholesterinspiegel können auf Dauer zu einem Schlaganfall führen.
#505 - Alzheimer-Krankheit
Hier sehen Sie das Gehirn eines Alzheimer-Patienten. Zum Vergleich haben wir ein gesundes Hirn danebengelegt. Bei dieser Krankheit lagern sich bestimmte Eiweiße im Gehirn ab. Diese sogenannten Plaques stören den Stoffwechsel der Nervenzellen, sodass Sie nicht mehr miteinander kommunizieren können und absterben. Im Laufe der Zeit werden die Furchen in der Hirnrinde immer breiter und das Gehirn des Betroffenen schrumpft.
Alzheimer beginnt fast unmerklich. Namen verschwinden aus dem Gedächtnis, Schlüssel sind unauffindbar, schließlich wird der Weg nach Hause fremd,
Erinnerungen versinken im Nirgendwo. Am Ende erkennen die Menschen ihre Familien nicht mehr. Die Symptome beginnen meist nach dem 65. Lebensjahr, manchmal aber auch schon mit 50. Gut eine Million Menschen in Deutschland leiden an dieser Form der Demenz. Medikamente können zwar die Symptome lindern, aber heilen lässt sich Alzheimer noch nicht.
#506 - Das Gehrin von innen
Sicher kennen Sie die Redensart von den „kleinen grauen Zellen“. An diesen Gehirnscheiben können Sie gut die graue und die weiße Hirnsubstanz unterscheiden. Die graue Hirnsubstanz besteht aus Nervenzellen, die weiße aus Nervenfasern, also den Leitungen zwischen den Nervenzellen.
Die Bezeichnung „grau“ kommt daher, dass früher Präparate mittels Formalin haltbar gemacht wurden, und das Formalin die Nervenzellen „grau“ werden ließ. Im lebenden Gewebe und auch bei Plastinaten ist die Substanz eher rosa. Man müsste also eigentlich von den „kleinen rosa Zellen“ sprechen.