Multimedia Tour

Willkommen!
Die Anatomie des Glücks
Begrüßungstext

Die große Liebe, ein sorgenfreies Leben, wahre Freundschaft … wir alle streben nach Glück. Aber haben Sie sich schon mal gefragt, wo das Glück eigentlich wohnt? Warum es für uns so wichtig ist und wir nicht genug davon bekommen können? Oder warum wir uns das Glück nicht dauerhaft bewahren können? Dann sind Sie in dieser Ausstellung genau richtig!

Bei Ihrem Rundgang wird es um nichts Geringeres gehen, als um Sie. Sie werden an echten anatomischen Präparaten entdecken können, was genau unter Ihrer Haut steckt. Dabei werden Sie viel Interessantes über Ihre Organfunktionen und rund um das Thema Gesundheit erfahren. Das wird den Blick auf Sie selbst sicher verändern. Denn alles, was wir mit unserem Körper tun – oder auch nicht tun, wirkt früher oder später auf ihn zurück. Auch das Glück beeinflusst unseren Körper und unsere Gesundheit. – Und Sie werden überrascht sein zu erfahren, dass Sie bereits alle Zutaten zum Glücklichsein in sich haben. Aber dazu später mehr.

Also Willkommen bei den „KÖRPERWELTEN – Die Anatomie des Glücks”! Unser Rundgang beginnt im Obergeschoss. Bis gleich und – viel Glück!

100 Koordination
#100 - Das Nervensystem
Text #100

Hallo! Und herzlich willkommen in Ihrer Glückszentrale!

Ja, Sie haben richtig gehört – in Ihrer Glückszentrale, denn in Ihrem Nervensystem, um das es hier in unserem ersten Abschnitt geht, ist Ihr ganzes Glück verborgen. Es entsteht durch die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter und Hormone, in Ihrem Gehirn.

Hallo! Und herzlich willkommen in Ihrer Glückszentrale!

Ja, Sie haben richtig gehört – in Ihrer Glückszentrale, denn in Ihrem Nervensystem, um das es hier in unserem ersten Abschnitt geht, ist Ihr ganzes Glück verborgen. Es entsteht durch die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter und Hormone, in Ihrem Gehirn.

#101 - Das Gehirn
Text #101

Das Gehirn ist das Kontrollzentrum unseres Körpers und die Basis all unseres Seins. Seine Außenseite, die Hirnrinde, erinnert mit den vielen Furchen und Falten ein wenig an eine Walnuss in einer Schale. Die Furchen verzweigen sich in der Tiefe weiter, so dass die Hirnrinde viel größer ist, als sie von außen erscheint. Flach ausgebreitet würde sie rund 1,5 Quadratmeter bedecken – und nicht mehr in diese Vitrine passen.

Eine große Längsfurche teilt das Großhirn in zwei Hälften, die Hemisphären. Jede Hemisphäre steuert die Aktivitäten der gegenüberliegenden Körperhälfte. Auch einzelne Aufgaben des Gehirns sind auf die Hemisphären unterschiedlich verteilt. Wenn Sie zum Beispiel das Wort „Katze“ hören und verstehen, findet das in der linken Hälfte statt. Während Sie sich aber das Tier Katze vorstellen und vielleicht an eine bestimmte denken, tun Sie das mit Ihrer rechten Gehirnhälfte. Ein dickes Nervenbündel, das die beiden Hirnhälften miteinander verbindet, sorgt dafür, dass beides in Ihrer Gedankenwelt verschmilzt. Das Nervenbündel heißt Corpus callosum; es befindet sich an der Basis der Längsfurche des Gehirns. Sie können es etwas weiter in dieser Vitrine an dem halbierten Gehirn gut sehen.

#102 - Der Aufbau des Gehirns
Text #102

An der Gehirnhälfte ist der grobe innere Aufbau des Gehirns gut zu erkennen: Vereinfacht kann man sich das Gehirn wie ein dreistöckiges Gebäude vorstellen. Im Erdgeschoss befindet sich der Hirnstamm. Er steuert alle lebenswichtigen Körperfunktionen automatisch. Er regelt zum Beispiel, dass Sie hier in der Ausstellung die ganze Zeit atmen, Ihre letzte Mahlzeit verdauen und Ihr Herz schlägt – ohne dass Sie sich den Kopf zerbrechen müssen.
Im Erdgeschoss befindet sich außerdem das Kleinhirn. Es koordiniert unsere Bewegungen und unser Gleichgewicht. Dieser Teil des Gehirns reagiert übrigens sehr empfindlich auf Alkohol. Deswegen schwankt man im betrunkenen Zustand.

Im zweiten Stock liegt das Zwischenhirn. Hier befinden sich die Gehirnteile, die etwas mit Emotionen zu tun haben. Außerdem enthält es Zentren für die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen.

Das Obergeschoss, beherbergt den größten Teil unseres Gehirns: das Großhirn. Es ist der Sitz unseres bewussten Denkens und Handelns.

Wenn jemand sagt, „na, streng mal Deine grauen Zellen an!“ dann meint er übrigens die Nervenzellen. Im Gehirn gibt es zwei Arten von Zellen: die grauen Nervenzellen, mit denen wir denken und Informationen verarbeiten, und die Nervenfasern. Sie verbinden die Nervenzellen miteinander und leiten die Informationen weiter; das ist die weiße Hirnsubstanz. Die grauen Zellen befinden sich vor allem in der Hirnrinde und in einigen Kerngebieten tief im Innern des Gehirns. Das kann man gut an den Gehirnscheiben in dieser Ausstellung sehen.

#103 - Das zentrale und periphere Nervensystem
Text #103

Dass die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teilen unseres Körpers funktioniert, verdanken wir unserem Nervensystem – einem komplexen System von Leitungen, die Milliarden von schwachen elektrischen Impulsen weitergeben. Hier sind nur die großen Nervenfasern dargestellt. Im Körper verzweigen sie sich in so feine Äste, dass sie fast jeden Winkel unseres Körpers erreichen. Dort sind sie nur noch mit dem Mikroskop zu erkennen.

Das Gehirn bildet zusammen mit dem Rückenmark das „zentrale“ Nervensystem. Zentral nennt man es deshalb, weil es die Körperfunktionen selbständig steuert.
Das „periphere“ Nervensystem macht salopp gesagt den Rest des Nervensystems aus, d.h. alle Fasern, die telefonnetzartig den gesamten Körper durchziehen. Sie leiten Informationen wie etwa Sinneswahrnehmungen aus dem Körper an das Gehirn weiter. Vom Gehirn empfangen sie wiederum Informationen zur Steuerung von Körperfunktionen und Bewegungen. Die Übermittlung der Signale verläuft dabei mit bis zu 400 km/h außerordentlich schnell; sonst hätte z.B. ein Torwart kaum eine Chance, einen Elfmeter zu parieren.

Die große Wandprojektion gibt einen Eindruck davon, wie die Nervenzellen mittels elektrischer Impulse miteinander kommunizieren.

#104 - Das vegetative Nervensystem
Text #104

Ein Teil des Nervensystems ist unserer direkten willentlichen Kontrolle entzogen. Man nennt diesen Teil auch autonomes oder vegetatives Nervensystem. Das etwas gestrüppartige Nervengeflecht vor der Wirbelsäule dieses Ganzkörperplastinats gehört zum Beispiel dazu; das ist das sogenannte Sonnengeflecht oder Solarplexus, von dem Sie vielleicht schon mal gehört haben.

Das vegetative Nervensystem steuert vor allem die Funktionen der inneren Organe wie Atmung, Herzschlag und Verdauung, ohne dass wir das bewusst wahrnehmen.
Es besteht aus dem Sympathikus und seinem Gegenspieler – dem Parasymphatikus. Der Sympathikus gilt dabei als Leistungs- und Notfallsystem. Es wird vor allem bei nach außen gerichteten und energieverbrauchenden Arbeiten erregt, z.B. bei körperlicher Arbeit oder Stress. Der Parasympathikus gilt dagegen als Erhaltungssystem und dominiert die nach innen gerichteten Funktionen wie Essen, Verdauen und Ausscheiden – also Aktivitäten, die der Lieferung von Energie und Entspannung dienen.

Das vegetative Nervensystem wird auch sehr stark durch unsere Emotionen beeinflusst. Das heißt unser Gemütszustand wirkt sich unmittelbar auf den Körper aus. Das haben Sie selbst sicher schon mal in Stresssituationen erlebt: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Hautrötungen, zitternde Hände, Blutdrucksteigerung etc. Aber es funktioniert auch umgekehrt: Wenn Sie Ihren Körperzustand ändern, hat das auch Auswirkungen auf Ihren Gemütszustand. Zum Beispiel durch bewusstes ruhiges und tiefes Atmen. Es löst nicht nur körperliche, sondern auch geistige Spannungen und kann dabei helfen, eine innere Balance und Leichtigkeit zu finden. Probieren Sie’s ruhig mal aus!

#105 - Die Blutversorgung des Gehirns
Text #105

Das Gehirn ist von einem dichten Netz aus Arterien durchzogen, denn es hat einen außerordentlich hohen Sauerstoffbedarf. Entsprechend empfindlich reagiert es auf Störungen in der Blutversorgung. Ist die Blutzufuhr zum Gehirn für nur zehn Sekunden unterbrochen, werden wir bereits bewusstlos.

Länger anhaltende Durchblutungsstörungen können schwere Schäden hervorrufen, wie an der hier ausgestellten Hirnscheibe zu sehen ist: An der Stelle, wo sich der dunkle Fleck befindet, ist Gehirngewebe abgestorben und hat eine Einblutung verursacht. Je nachdem, welche Hirnareale geschädigt sind, bedeutet dies für einen Betroffenen, dass er zum Beispiel ganz plötzlich einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen kann, nicht mehr sprechen kann, nichts mehr versteht oder andere Ausfälle hat. Weil die Symptomatik schlagartig und oft aus völligem Wohlbefinden heraus auftritt, spricht man von Hirnschlag oder Schlaganfall. Sind lebenswichtige Zentren betroffen, führt der Hirnschlag zum Tod.

Ein Schlaganfall wird meist dadurch hervorgerufen, dass eine Hirnschlagader verstopft ist, etwa durch ein Blutgerinnsel oder durch Kalkablagerungen in der Gefäßwand. Dann wird das betroffene Hirngewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Es kann auch vorkommen, dass eine Arterie platzt. Dann drückt die Blutung das umliegende Hirngewebe zusammen und beschädigt es.
Rauchen, Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck erhöhen übrigens die Gefahr eines Gehirnschlags erheblich.

#106 - Glückszentren im Gehirn
Text #106

Früher dachte man, alle Gefühle des Menschen wären im Herzen zu Hause. Heute weiß man, dass natürlich alles im Gehirn stattfindet, wenn uns das Herz blutet vor Liebeskummer oder wenn es überschäumt vor Glück. Diese Gefühle entstehen in einem Bereich des Gehirns, den man das limbische System nennt.

Hören Sie dazu Frau Dr. Whalley, die Ausstellungskuratorin und Leiterin des Instituts für Plastination in Heidelberg:

Das limbische System ist keine umschriebene anatomische Struktur; es ist vielmehr eine komplexe funktionelle Einheit aus gleich mehreren Hirnarealen. Dazu gehört z.B. ein Bereich der innenliegenden Großhirnrinde am unteren Ende des Stirnlappens, der sogenannte Nucleus accumbens. Weitere Glückszentren liegen im Mittelhirn.

Die beteiligten Gehirnstrukturen produzieren eine Substanz namens Dopamin, ein Botenstoff, der uns wohl fühlen lässt. Er wird vor allem dann ausgeschüttet, wenn etwas viel besser ist, als wir es erwartet hätten. Zusammen mit weiteren Botenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin und Endorphin wirkt Dopamin wie eine Art Belohnung. Das hilft uns bei späteren Entscheidungen, denn wenn uns etwas glücklich macht, tun wir es gerne wieder.

Das limbische System ist aber nicht nur für unser Glück zuständig; es ist auch mitverantwortlich für unser Verhalten und viele intellektuelle Denkprozesse. Es liegt daher nahe, dass geistige Aufgaben das limbische System und damit unsere Glückshormone in Schwung bringen. Geben Sie Ihrem Gehirn daher ruhig einmal knifflige Aufgaben und greifen Sie lieber zum Rätsel oder Buch statt sich vom Fernseher berieseln zu lassen.

Glücklichsein kann man übrigens auch ein Stück weit lernen. Beachten Sie hierzu die Wandtafel mit dem Video.

200 Bewegung
#200 - Der Bewegungsapparat
Text #200

Fahrstühle, Auto, Haushaltsgeräte, Fernbedienungen …. wie wunderbar bequem unser modernes Leben doch ist. Doch all diese Hilfsmittel lassen uns auch körperlich träge und faul werden. Dabei ist Bewegung für unsere Vitalität und Gesundheit von größter Bedeutung.

Tatsächlich wirkt sich regelmäßige Bewegung auf den gesamten Körper aus: sie bringt den Kreislauf in Schwung, kräftigt Muskeln und Knochen, senkt den Cholesterinspiegel, baut Fettpölsterchen und Stresshormone ab. Zusätzlich regt sie das Gehirn an, stärkt das Immunsystem und schützt so den gesamten Organismus langfristig vor Krankheiten und Altersgebrechen.

Aber nicht nur das: Bewegung kurbelt auch unsere Glückshormone an! Ob eine Runde Laufen, Radeln oder im Fitnessstudio schwitzen – Stress und Ärger erscheinen danach meist wie weggeblasen, die Stimmung steigt und wir sind ausgeglichener.
Verdanken tun wir das einem komplexen Zusammenspiel unserer Knochen, Muskeln und Gelenke.

#201 - Das Skelett
Text #201

In unserem Kulturkreis gilt das Skelett gemeinhin als Symbol des Todes. Dabei geht es in unseren Knochen ziemlich lebendig zu. Ihre Zellen erneuern sich nämlich am laufenden Band, so dass sich die Knochen in einem Zeitraum von etwa 7 Jahren rundum erneuert haben.

Die Knochen dienen uns vor allem als innere Stütze. Ohne sie würden wir augenblicklich in uns zusammenfallen. Gleichzeitig sind sie im Zusammenspiel mit den Muskeln und Gelenken unerlässlich für unsere Bewegungen. Die Muskeln setzen mithilfe von Sehnen an bestimmten Knochenpunkten an und bilden so ein mechanisches Hebelsystem, das die Muskeltätigkeit in Bewegung umwandelt.

Doch Knochen erfüllen auch noch ganz andere Aufgaben: Sie schützen unsere inneren Organe und speichern wichtige Mineralsalze. Einige Knochen haben auch einen weichen Kern, das Knochenmark. Dort werden unsere Blutzellen gebildet: jede Minute entstehen im Knochenmark Millionen neuer weißer und roter Blutkörperchen und Blutplättchen.

Die kleinsten Knochen in Ihrem Körper sind im Moment ganz besonders beansprucht, die Gehörknöchelchen. Sie befinden sich im Mittelohr und übertragen eintreffende Schallwellen vom Trommelfell auf das Innenohr. Sie finden sie in einer der Vitrinen dieses Ausstellungsabschnittes.

#202 - Der Knochenaufbau
Text #202

In dieser Vitrine können Sie den Aufbau eines Knochens am Beispiel eines aufgeschnittenen Oberschenkelknochens gut sehen. Er hat nur eine dünne harte Außenschicht und im Inneren ein Netz von feinen Knochenbälkchen. Die Knochenbälkchen bilden je nach Belastung Spannungslinien und verstärken sich dort, wo sie vermehrt beansprucht werden. Diese Bauweise macht den Knochen sehr leicht und gleichzeitig sehr stabil. Das Knochengerüst eines Erwachsenen wiegt weniger als 10 kg. Stahlträger bringen dagegen viermal so viel auf die Waage und sind dennoch nicht so belastbar.

Mit dem Alter nimmt die Festigkeit der Knochen ab. Diesen Prozess nennt man Osteoporose. Dabei reduzieren sich die Knochenbälkchen im Knocheninneren und die feste Außenzone wird schmaler. Man kann das gut an den Längsschnitten durch das Kniegelenk an der Wand sehen. Der Knochen ist durch Osteoporose weniger belastbar und bricht leichter. Doch glücklicherweise gibt es ein wirksames Mittel dagegen, völlig rezeptfrei und ohne Nebenwirkungen: Sie ahnen es sicher bereits – es ist regelmäßige Bewegung. Denn auch bei Osteoporose gilt: unsere Knochen verstärken sich dort, wo sie vermehrt beansprucht werden.

#203 - Die Gelenke
Text #203

Unser Körper erlaubt uns Meisterleistungen unterschiedlichster Bewegungen. Dies verdanken wir vor allem auch unseren Gelenken. Allein in einer Hand befinden sich 36 dieser Verbindungsstellen, die unsere Knochen zusammenhalten. Im gesamten Körper sind es mehr als 100.
An diesem Exponat haben wir die Gelenke besonders herausgearbeitet.

Die Bauweise eines Gelenks bestimmt ganz wesentlich die Beweglichkeit des betreffenden Körperteils. Je größer die Beweglichkeit, umso größer ist das Risiko, dass die Gelenkflächen den Kontakt zueinander verlieren. Um solche Gelenke trotzdem so stabil wie möglich zu halten, sind die meisten von einer festen Bindegewebskapsel umgeben. Sehnen und Bänder geben ihnen zusätzlichen Halt und hemmen extreme Bewegungen.

Die Gelenkflächen selbst sind mit Knorpel überzogen. Er verhindert, dass die Knochen aneinander reiben und federt Stöße ab, wie etwa beim Laufen. Ein schleimiges Schmiermittel im Gelenkspalt dient als zusätzlicher Stoßdämpfer.

#204 - Das Muskelsystem
Text #204

Diese Körper zeigen alle Skelettmuskeln, die sich direkt unter der Haut befinden. Und obwohl ihnen die Haut entfernt wurde, wirken sie doch in ihrer Körperform vollständig.

Das macht deutlich, wie sehr unser körperliches Erscheinungsbild von den Muskeln bestimmt wird – naja, oder doch zumindest werden könnte.

Insgesamt haben wir 640 Muskeln. Sie arbeiten alle nach demselben Prinzip: Sie sind in Aktion, ziehen sie sich zusammen und verkürzen ihre Länge um bis zu 30-40%. Viele Muskeln haben dann einen Gegenspieler, der sie wieder in die Ausgangsposition bringt. Der Bizeps an der Vorderseite des Oberarms z.B. beugt den Arm. Sein Gegenspieler, der Trizeps, befindet sich auf der Rückseite des Oberarms. Verkürzen sich seine Muskelfasern, streckt sich der Arm wieder. Dabei arbeiten Mitspieler und Gegenspieler immer perfekt aufeinander abgestimmt: zieht sich der eine Muskel zusammen, bremst der andere überschüssige Energie ab. So erst können fließende, abgestufte Bewegungen zustande kommen.

Muskeln sind also keine Einzelkämpfer. Sie arbeiten auch fast immer mit anderen Muskelgruppen zusammen. So sind zum Beispiel für einen einzelnen Schritt mehr als 40 verschiedene Muskeln notwendig. Nicht nur in den Beinen und dem Becken, sondern vor allem auch im Rücken. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass wir nicht umkippen. An einem Kuss sind 12 Muskeln beteiligt, und wenn wir laut lachen, benutzen wir im Gesicht etwa 20 und am ganzen Körper sogar bis zu 80 Muskeln.

Muskeln werden übrigens nicht während des Trainings stärker, sondern erst in den Regenerationsphasen. Das Training liefert nur den Anreiz. Die eigentliche Leistungssteigerung passiert danach. Dabei entstehen aber keine neuen Muskelfasern, sondern es vergrößert sich nur der Faserquerschnitt. Die Anzahl der Muskelfasern ist von Geburt an immer gleich.

#205 - Gelenkerkrankungen, Arthrose
Text #205

Fehlt in einem Automotor Öl, dann laufen die Kolben trocken. Sie überhitzen und fressen sich fest. Die Gelenkflüssigkeit erfüllt beim Menschen eine ähnliche Aufgabe: sie sorgt dafür, dass sich die Gelenke möglichst reibungslos bewegen. Doch mit dem Alter vermindert sich die Menge der Gelenkschmiere und sie wird zäher.
Dadurch reiben die Gelenkflächen stärker aufeinander, der Knorpel beginnt sich abzunutzen, und das Gelenk entzündet sich. Diese Art von Verschleißerscheinung nennt man Arthrose.

Aber nicht nur der Alterungsprozess, sondern auch eine Überanstrengung der Gelenke kann die Knorpelfläche schädigen und den Knorpel stark abnutzen. Ursachen sind zum Beispiel schwere körperliche Arbeit, Übergewicht oder Sportverletzungen. Besonders betroffen sind Hüft- und Kniegelenke, weil sie unser ganzes Körpergewicht tragen müssen.

In dieser Vitrine können Sie ein Kniegelenk mit Arthrose im Vergleich zu einem gesunden Kniegelenk sehen. Der Knorpel ist bereits stark abgeschliffen und weist tiefe Schleifspuren auf. Kein Wunder, wenn das knirscht und weh tut!

Oft neigen die Betroffenen dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Doch so widersprüchlich es auch klingt: Gerade im Falle eines Gelenkverschleißes ist gezielte und moderate Bewegung die beste Medizin! Gelenkknorpel ist nämlich eines der wenigen Gewebe im Körper, das keine eigenen Blutgefäße hat. Seine Nährstoffe bezieht er stattdessen aus der Gelenkflüssigkeit. Und die Bewegung sorgt dafür, dass sich die Flüssigkeit im Gelenkspalt auch ausreichend durchmischt. Mit der richtigen Gymnastik kann deshalb oft das Fortschreiten einer Arthrose gebremst werden.

300 Herz-Kreislauf-System
#300 - Der Kreislauf
Text #300

Manchmal sagt man, das Leben hängt an einem seidenen Faden. Doch eigentlich müsste es heißen: an feinen Röhrchen – unseren Blutgefäßen. Denn fast jede einzelne Zelle in unserem Körper ist von der Versorgung durch das Blutgefäßsystem abhängig. Eine Störung innerhalb dieses Systems kann daher sehr unterschiedliche Organfunktionen beeinträchtigen.

Das Herz-Kreislauf-System lässt sich mit einem Transportunternehmen vergleichen, das Tag und Nacht unterwegs ist. Dabei ist das Herz der Motor des Unternehmens, und die Blutgefäße bilden das Straßennetz.
Unsere moderne Lebensführung setzt diese Organe in ganz besonderem Maße unter Druck. Sei es durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel oder Alltagsstress.
Um das Herz-Kreislauf-System geht es in unserem nächsten Ausstellungsabschnitt.

# 301 - Stress und Balance
Text # 301

Wir alle kennen stressige Situationen wie diese. Das Herz fängt an zu rasen, man atmet stärker und fängt an zu schwitzen. Verursacht werden diese Reaktionen durch die Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Sie werden bei Gefahren- oder Stresssituationen von den Nebennieren ins Blut abgegeben; in Sekundenschnelle können sie den gesamten Körper in einen Alarmzustand versetzen und Energiereserven mobilisieren. Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, Glukose wird freigesetzt und die Muskulatur stärker durchblutet.
Im positiven Sinne erhöhen diese Stresshormone unsere Reaktionsfähigkeit, steigern den Mut und drosseln die Schmerzempfindlichkeit. Sie dienen damit vor allem unserem Überleben.
Das funktionierte bestens in der Steinzeit, als der Stress vor allem durch wilde Tiere oder angreifende Gegner verursacht wurde. Doch im 21. Jahrhundert haben Arbeit, komplizierte Beziehungen, finanzielle Sorgen und der Straßenverkehr den Platz wilder Tiere eingenommen. Sie schalten unser Stress-System oft auf Dauerbetrieb, und das macht uns krank. Besonders negativ wirken sich Probleme im Beruf und in der Familie aus. Folgt der Alarmbereitschaft des Körpers keine ausreichende Entspannung, erhöht sich vor allem das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Außerdem fühlen wir uns überlastet, erschöpft und es kommt schließlich zum Burnout.

Es ist daher wichtig, Momente der Entspannung zu finden, in denen man seine Sorgen und Selbstzweifel loslassen kann. Es gilt, eine Balance zwischen seinen eigenen Bedürfnissen und den Verpflichtungen gegenüber anderen zu finden. Das ist oft leichter gesagt als getan, und es gibt kein Patentrezept. Denn jeder hat seine eigene Lebenssituation und seine eigene Auffassung vom Sinn des Lebens und vom Glück.
Aber manchmal hilft es, seine Sichtweise zu hinterfragen und sich auf das zu konzentrieren, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Was würden Sie z.B. bereuen, wenn Sie morgen sterben müssten? Untersuchungen haben gezeigt, dass es vor allem Dinge wie diese sind, die Menschen auf dem Sterbebett bereuen:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.“

„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“

„Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

„Ich hatte Angst, meine Gefühle zu zeigen. Deswegen habe ich gearbeitet und gearbeitet und meine Familie auf Distanz gehalten. Sie hatten es nicht verdient, so allein zu sein. Jetzt wünsche ich mir, sie hätten mich wirklich gekannt.“

#302 - Das Herz
Text #302

Alle machen mal Pause, nur das Herz nicht. Es arbeitet rund um die Uhr und schlägt bei einem Erwachsenen schon allein in Ruhe mindestens hunderttausend Mal am Tag. Dabei pumpt es rund 7500 Liter Blut – ein Volumen, mit dem man mehr als 50 Badewannen füllen könnte. Und bei körperlicher Anstrengung pumpt das Herz sogar noch viel mehr.

Mit jedem Schlag hält das Herz gleich zwei Kreisläufe in Gang, nämlich den Lungenkreislauf und den großen Körperkreislauf.
An dem eröffneten Herzen kann man gut sehen, dass es in seinem Inneren vier Hohlräume hat: zwei kleinere Vorhöfe, die das Blut aus den Venen in Empfang nehmen, und jeweils darunter zwei Herzkammern, die das Blut bei jedem Schlag wieder hinauspressen. Das Blut nimmt dabei immer denselben Weg: Die rechte Herzhälfte transportiert das Blut zur Lunge. Von dort kehrt es mit frischem Sauerstoff angereichert zurück. Die linke Herzhälfte verteilt das Blut dann wieder über die Arterien bis in die letzten Winkel unseres Körpers. Da das Herz dafür verhältnismäßig viel Kraft aufwenden muss, ist die linke Herzkammer viel muskelstärker als die rechte.

Der eigentliche Herzschlag entsteht, indem sich die Muskelfasern der Kammerwände abrupt zusammenziehen. Dadurch quetschen sie das Blut bei jeder Kontraktion förmlich aus den Kammern hinaus. Vier strapazierfähige Ventile öffnen und schließen sich dabei je nach Bedarf. Das sind die Herzklappen. Sie sorgen bei jeder Herzaktion dafür, dass das Blut immer in die richtige Richtung fließt.
Wenn beim Verschließen ihre Anteile aneinanderschlagen, entstehen die Herztöne, die wir an der Brust hören können.

#303 - Die Herzkranzgefäße
Text #303

Ein so aktiver Muskel wie das Herz hat einen besonders hohen Sauerstoffbedarf. Es zweigt daher mit jedem Schlag 5-10% des Schlagvolumens für seine eigenen Blutgefäße, die sogenannten Herzkranzgefäße, ab.
Das Herz reagiert deshalb auch sehr empfindlich, wenn seine Blutversorgung gestört ist, etwa wenn Kalkablagerungen eine der Herzkranzarterien verengt. Solche Ablagerungen nennt man auch Plaques. Sie entstehen meist unbemerkt über viele Jahre. Aber wenn sie die Arterie zu etwa 70% einengen, gerät das Herz bei Belastung in Sauerstoffnot und reagiert mit Schmerzen. Man spricht dann von koronarer Herzkrankheit oder Angina pectoris.

Es kann auch passieren, dass mal eine Plaque plötzlich aufbricht. Dann bildet sich ein Blutgerinnsel drum herum und verschließt die Herzkranzarterie vollständig. Diesen Vorgang kann man sehr gut in einem Video hier in diesem Ausstellungsabschnitt sehen. Die Zellen der betroffenen Region sterben dann ab und das Herz wird in seiner Funktion geschwächt. Dieses plötzliche Ereignis nennt man Herzinfarkt.

Der Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache aus scheinbar völliger Gesundheit heraus, und es ist ratsam, dagegen vorzubeugen, indem man: nicht raucht, Sport treibt, sich gesund ernährt und einen Ausgleich für seinen Alltagsstress findet. Denn Rauchen, Übergewicht und Dauerstress erhöhen das Infarktrisiko ganz erheblich.

#304 - Das Blutgefäßsystem
Text #304

5-6 Liter Blut kreisen durchschnittlich in den Adern eines Erwachsenen. Es verteilt vor allem Sauerstoff und Nährstoffe an die verschiedenen Körperregionen und sammelt gleichzeitig die Stoffe ein, die ausgeschieden werden müssen.

Es ist die Aufgabe der Arterien, das Blut in alle Körperregionen zu pumpen. Sie verzweigen und verjüngen sich fortlaufend auf ihrem Weg zu den Organen und Geweben, bis sie die Stärke von hauchdünnen Haargefäßen erreicht haben. Durch diese dünnen Gefäße passt gerade noch ein Blutkörperchen hindurch. Das sind die Kapillaren. Hier findet der Stoffaustausch zwischen Blut und dem Gewebe statt. Danach sammelt sich das Blut wieder in den Venen, die das Blut zurück zum Herzen transportieren. Das Blutgefäßsystem ist außerordentlich dicht; würde man alle Arterien, Venen und Kapillaren eines Erwachsenen hintereinander knüpfen, könnte man sie zweimal um die Erde wickeln.

Diese faszinierenden Präparate zeigen Beispiele unseres Arteriensystems. Hören Sie dazu Dr. Angelina Whalley:
Bei diesen Präparaten handelt es sich genauer gesagt um Ausgüsse. Zu ihrer Herstellung wird roter Kunststoff in die Arterien gespritzt. Wenn er ausgehärtet ist, hat er die Form des Gefäßsystems angenommen, und man kann das Gewebe drum herum mithilfe von Bakterienlösungen oder Enzymen herauslösen. Hier sind allerdings nur die Hauptäste dargestellt. Würde man auch das Kapillarbett mit Kunststoff ausfüllen, wäre der Ausguss so dicht, dass man gar keine einzelnen Gefäße mehr mit dem bloßen Auge erkennen könnte.

Durch das fein verästelte Gefäßsystem kann unser Blut fast jede Region unseres Körpers erreichen. Neben dem Stoffaustausch hat das Blut im Übrigen auch eine wichtige Funktion für unser Glücksempfinden. Dazu Frau Dr. Whalley:
Unser Blut dient auch als wichtiger Überbringer von Signalen des Gehirns an den Rest des Körpers, vor allem, wenn die Botschaft für eine längere Zeit gelten soll. Würde eine solche Botschaft über die Nerven verbreitet werden, müssten sie ständig dasselbe Signal senden, und das System wäre schnell überlastet. Deswegen gibt es ein anderes System für solche Nachrichten: die Hormone.
Darunter befinden sich auch die Glückshormone, also Botenstoffe, die Wohlbefinden und Glücksgefühle hervorrufen können. Dazu gehören neben Dopamin auch Serotonin, Noradrenalin, Endorphine, Oxytocin und Phenethylamin. Diese Substanzen wirken entweder stimulierend, entspannend oder schmerzlindernd. Man bezeichnet sie auch als körpereigene oder endogene Drogen.

#305 - Die Milz
Text #305

Die Milz ist vielen Menschen vermutlich nur bekannt, weil in ihrer Gegend beim Laufen Seitenstechen entstehen kann. Dabei ist sie die Filteranlage unseres Blutes und ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass das Knochenmark unsere Blutzellen bildet: die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, die weißen Blutzellen, die wir für die Infektabwehr benötigen, und die Blutplättchen, die bei der Wundheilung eine Rolle spielen. Eine Aufgabe der Milz besteht nun darin, alte und verbrauchte Blutzellen auszusortieren und abzubauen. Sie verfügt daher über ein gut durchblutetes, feines Netz aus Bindegewebe. Darin bleiben die Blutzellen, aber auch Bakterien und feinste Blut-Verunreinigungen wie in einem Filter hängen. Auf diese Weise kann sich das Blut alle 120 Tage erneuern.

In speziellen Bereichen der Milz werden außerdem weiße Blutkörperchen gespeichert, wo sie zu wichtigen Zellen des Immunsystems heranreifen. Diese werden dann bei Bedarf ins Blut abgegeben, um Fremdstoffe und Keime zu bekämpfen.

Die Milz liegt im linken Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Sie wird normalerweise von den Rippen überlagert, so dass man sie nicht von außen tasten kann. Doch bei manchen Erkrankungen kann sie sich erheblich vergrößern. Zum Beispiel im Falle einer Leukämie. Dann bildet das Knochenmark massenhaft funktionsuntüchtige Blutzellen und überschwemmt die Milz damit geradezu. Eine solche vergrößerte Milz ist ebenfalls in dieser Vitrine zu sehen.

400 Atmungssystem
#400 - Die Atmungsorgane
Text #400

Der Mensch kann etwa 40 Tage ohne Essen auskommen und vier Tage ohne zu Trinken, aber ohne Luft können wir nur wenige Minuten überleben. Denn alle Zellen unseres Körpers benötigen zum Leben Sauerstoff aus der Atemluft. Mit seiner Hilfe werden Nährstoffe in Energie umgewandelt.

Doch unsere Atmungsorgane erfüllen auch noch ganz andere Aufgaben: Durch sie können wir zum Beispiel Riechen, aber auch Lachen, Sprechen und Singen oder gar ein Musikinstrument zum Klingen bringen.

Ganz besonders Singen und Lachen regen unser Glücksempfinden an. Lachen ist eine besondere Form der Kommunikation mit anderen Menschen. Es erzeugt Gemeinschaft, verstärkt Bindungen, entspannt verfahrene Situationen, und wir fühlen uns einfach gut dabei – selbst, wenn wir das Lachen nur vortäuschen.

#401 - Atemwege und Gasaustausch
Text #401

Und mal tief Durchatmen!

Den Weg, der die Atemluft dabei in Ihre Lungen nimmt, können Sie an den Präparaten dieses Ausstellungsabschnittes gut nachvollziehen.

Zuerst passiert die Luft die Nase oder den Mundraum, um dann am Kehlkopf vorbei in die Luftröhre zu gelangen. An ihrem unteren Ende teilt sich die Luftröhre in die Hauptbronchien, die nach links und rechts zu den Lungenflügeln ziehen. Dort verzweigen sich die Bronchien weiter wie die Äste eines Baumes – bis sie schließlich in die Lungenbläschen münden, die Alveolen. Dort findet der Gasaustausch statt: Der Sauerstoff in der Atemluft wird in das Blut aufgenommen und im Gegenzug wird der Abfallstoff Kohlendioxid aus dem Blut an die Atemluft abgegeben.

Eine gesunde Lunge eines Erwachsenen enthält ungefähr 400 Millionen solcher Lungenbläschen. Sie liegen wie Weintrauben dicht beieinander und verleihen dem Lungengewebe ein schwammartiges Aussehen. Das kann man gut etwas weiter an dem Körperquerschnitt sehen.

Über die Atemwege stehen wir sehr stark mit unserer Umwelt im Austausch. Dadurch sind sie auch Einfallstor für Krankheitserreger, Schadstoffe und Luftverunreinigungen. Außerdem verlieren wir über die ausgeatmete Atemluft viel Wasser.

# 402 - Der Kehlkopf
Text # 402

Wow! Beeindruckend, wozu eine menschliche Stimme fähig ist!
Unsere Stimme entsteht im Kehlkopf, wo wir mit der ausgeatmeten Luft die Stimmbänder in Schwingung versetzen. Dabei können wir mithilfe unserer Kehlkopfmuskeln die Stimmbänder unterschiedlich stark anspannen und so die Tonhöhe verändern. Je straffer die Stimmbänder, umso höher der Ton. Die Laute werden dann in der Mundhöhle mit Zunge und Lippen zu Wörtern geformt.

Erwachsene Männer haben dickere Stimmbänder und einen größeren Kehlkopf als Kinder und Frauen. Deswegen klingt ihre Stimme tiefer. Ihr Kehlkopf vergrößert sich im Teenageralter rasant. Dabei kann dann auch die Koordination von Muskeln und Stimmbändern leicht mal außer Kontrolle geraten. Die Stimme klingt dann heiser und man spricht von Stimmbruch.

Eine schöne Stimme hängt übrigens nicht nur von den Stimmbändern ab. Genau wie bei einer Gitarre oder einer Geige spielt auch der Klangkörper eine Rolle. Das sind beim Menschen Hals, Mund und Nase. Singen Sie mal etwas, während Sie sich die Nase zuhalten. Das klingt ziemlich schräg, was?

#403 - Das Zwerchfell
Text #403

Hatten Sie schon einmal Bauchweh vor lauter Lachen? Dann liegt das daran, dass sich Ihr Zwerchfell und die Bauchmuskeln beim Lachen ziemlich angestrengt haben. Das Zwerchfell ist eine Muskelplatte, die sich wie eine Kuppel zwischen Bauchraum und Brustraum ausspannt und von innen an den Rippen befestig ist. Sie können das Zwerchfell hier am besten sehen, wenn Sie von oben auf das Präparat schauen.

Das Zwerchfell ist für unsere Atmung unerlässlich. Beim Einatmen spannt es sich an und flacht dabei nach unten ab. Dadurch vergrößert sich der Brustraum und Luft strömt in die Lunge ein. Entspannt sich das Zwerchfell wieder, wölbt es sich zurück nach oben und drückt so die Luft wieder hinaus.
Beim Lachen laufen diese Atembewegungen stark beschleunigt und ruckartig ab, so dass die Atemluft jedes Mal mit einem Whoosh aus der Lunge gepresst wird. Dabei wird das Zwerchfell auch noch von den Brust- und Bauchmuskeln unterstützt. Die Luft lässt dann den Kehlkopf vibrieren und es entsteht der typische „Ha ha!“ Klang.

Sie können übrigens auf Kommando fröhlich werden! Wie? Indem Sie lachen! Zehn Minuten Lachen reichen für die Herstellung des Glückshormons Dopamin. Es macht nicht einmal etwas, ob Sie wirklich lachen oder nur so tun. Diesen Effekt macht sich eine relativ neue Yoga-Richtung zunutze, das Lachyoga.

Und denken Sie immer daran: Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.

#404 - Raucherlunge
Text #404

Natürlich atmen wir mit jedem Atemzug auch Schmutz ein. Doch die Lunge ist dagegen gerüstet: In den Luftwegen befindet sich nämlich klebriger Schleim, der Staub und Krankheitserreger wie eine Fliegenfalle fängt. Mit Hilfe winziger Flimmerhärchen werden diese dann mit dem Schleim wieder hinausbefördert.

Doch manchmal können nicht alle Partikel abgefangen werden, z.B. weil sie zu klein sind, wie etwa Feinstaub. Oder wenn das Reinigungssystem der Lunge überlastet und geschädigt ist. Das ist bei Rauchern der Fall.
Mit dem Zigarettenrauch atmet ein Raucher eine so große Menge an Ruß- und Teerpartikeln ein, dass die Reinigungsmechanismen der Lunge hoffnungslos überfordert sind. Der Teer sammelt sich im Lungengewebe an und färbt die Lunge schwarz, so wie die Lunge in dieser Vitrine.

Frau Dr. Whalley, warum können dennoch so viele Menschen nicht die Finger von Zigaretten lassen?
Nikotin ist der Hauptwirkstoff im Zigarettenrauch. Es wirkt im Gehirn wie unser natürlicher Botenstoff Dopamin und kann Entspannung, Glücksgefühle und angenehme Aufgeregtheit erzeugen – daher macht es sehr schnell süchtig. Dabei ist Nikotin ein starkes Gift und wird u.a. zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Darüber hinaus enthält Tabakrauch einen Cocktail von rund 4.800 weiteren chemischen Substanzen, von denen 250 als giftig und 90 als krebserregend gelten. Sie schädigen vor allem die Lunge. Aber sie können auch über das Blut in den gesamten Körper gelangen. Rauchen erhöht daher das Risiko für viele Krankheiten wie Lungenkrebs, Blasenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Augenkrankheiten oder Demenz. Betroffen sind übrigens nicht nur starke Raucher; auch Gelegenheitsraucher und Passivraucher haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Rauchen ist eine Sucht. Und es ist schwer damit aufzuhören. Doch es lohnt sich! Denn die Gesundheitsrisiken nehmen langsam wieder ab, selbst nach langjährigem Rauchen. Auch die Lunge nimmt dann langsam wieder ihre normale Farbe an. Je nachdem, wie lange und wie viel man vorher geraucht hat, dauert das mehrere Jahre, im Durchschnitt etwa fünf.

500 Verdauung
#500 - Verdauungstrakt
Text #500

Du bist was Du isst – das ist fürwahr nicht nur so eine Redensart. Denn irgendwo in Ihrem Körper stecken noch Moleküle aus der Pizza, die Sie vielleicht vor ein paar Wochen gegessen haben. In Ihren Knochen sind vermutlich noch winzige Calciumspuren aus der Geburtstagstorte vom letzten Jahr – oder vielleicht sogar noch aus dem Käse, den Ihre Mutter aß, als sie mit Ihnen schwanger war. Und in Ihrem Blut befindet sich der Zucker aus dem Orangensaft von heute Morgen.

Egal, was wir zu uns nehmen – das Essen wird ein Teil von uns. Es ist daher wichtig, die richtigen Dinge zu essen; es ist die Grundlage unserer Gesundheit!

Bevor die Nahrungsmittel von den Körperzellen verwertet werden können, müssen sie erst in kleinste Bausteine zerlegt werden. Diese Zerkleinerung nennt man Verdauung. Um die daran beteiligten Organe geht es in diesem Ausstellungsabschnitt.

#501 - Verdauungsorgane
Text #501

Unser Verdauungstrakt ist, vereinfacht gesagt, ein Schlauchsystem von ungefähr sieben Metern Länge. Diesen haben wir hier auseinandergezogen dargestellt. In Wirklichkeit ist in der Bauchhöhle alles dicht gepackt.

Wie die Organe tatsächlich angeordnet sind, können Sie sich später an dem Präparat gegenüber ansehen.

Die Verdauung beginnt bereits im Mund, nämlich durch das Kauen und die Einwirkung des Speichels. Die Speiseröhre transportiert dann den geschluckten Nahrungsbrocken mit wellenförmigen Muskelbewegungen in den Magen. Das funktioniert übrigens auch, wenn man auf dem Kopf steht.

Im Magen angekommen, wird die Speise mit dem Magensaft durchmischt. Er enthält Salzsäure und Enzyme, die die Nahrung weiter in kleinere Bestandteile aufspalten. Je nach Menge und Zusammensetzung der Mahlzeit kann das zwei bis acht Stunden dauern. Zucker wird z.B. sehr schnell abgebaut, weshalb sich schon nach kurzer Zeit wieder Hunger einstellt.

Ausreichend zerkleinerte Nahrungsbestandteile leitet der Magen dann in den Zwölffingerdarm weiter. Der Zwölffingerdarm ist das c-förmig gebogene Stück, das aus dem Magen kommt. Es bildet den ersten Teil des Dünndarms. Hier werden das Sekret der Leber, die sogenannte Galle, und Sekrete der Bauchspeicheldrüse beigemischt. Sie zerlegen die Nahrung auf dem Weg durch die nachfolgenden Dünndarmschlingen weiter in ihre kleinsten Moleküle.

Der größte Teil der Nährstoffmoleküle tritt durch die Schleimhaut des Dünndarms ins Blut über und gelangt so in die Leber zur weiteren Verarbeitung. Unverdauliche Bestandteile wandern weiter in den Dickdarm. Hier wird der verbleibende Rest durch Wasserentzug eingedickt und schließlich über den Enddarm ausgeschieden. Rund 24 Stunden ist eine Mahlzeit für den gesamten Verdauungsprozess im Körper unterwegs.

Die einzelnen Abschnitte des Verdauungstrakts können Sie sich in den Vitrinen noch einmal genauer anschauen.

#502 - Die Bauchspeicheldrüse
Text #502

Die Bauchspeicheldrüse produziert vor allem Verdauungsenzyme. Sie sorgen im Dünndarm dafür, dass unser Körper die Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen kann.
Doch die Bauchspeicheldrüse hat auch noch eine andere lebenswichtige Funktion: sie reguliert unseren Blutzuckerspiegel.

Der Blutzucker liefert unseren Zellen die nötige Energie. Hat man zu wenig davon, ist man nicht leistungsfähig. Hat man aber zu viel davon im Blut, schadet er dem Körper. Deswegen stellt die Bauchspeicheldrüse bei einem gesunden Menschen immer den passenden Blutzuckergehalt ein. Je nach Bedarf gibt sie dafür die Botenstoffe Insulin und Glukagon ins Blut ab. Ist zum Beispiel viel Zucker im Blut, weil gerade eine Portion Spaghetti verdaut wird, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Das Insulin veranlasst die Zellen der Leber und der Muskeln, Zucker aufzunehmen und zu speichern. Verbraucht der Körper dagegen Zucker, schüttet die Bauchspeicheldrüse Glukagon aus. Es veranlasst die Leber, wieder Zucker aus ihrem Vorratsspeicher ins Blut abzugeben.

Bei manchen Menschen ist der Blutzuckerspiegel beständig zu hoch. Das liegt nicht etwa daran, dass sie zu viel Süßigkeiten essen, sondern an der Störung ihres Zuckerstoffwechsels.
Hören Sie dazu Frau Dr. Whalley:
Dieses Krankheitsbild nennt man Zuckerkrankheit oder Diabetes. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen bildet die Bauchspeicheldrüse einfach nicht genügend Insulin. Das ist der sogenannte Typ I-Diabetes. Doch bei den allermeisten Diabetikern liegt eine andere Störung vor. Ihre Körperzellen reagieren zunehmend unempfindlich auf Insulin, so dass sie den Zucker nicht in ausreichender Menge aufnehmen. Überernährung und Fettleibigkeit sind bei diesem Typ II-Diabetes die Hauptursachen.

Der hohe Blutzuckerspiegel schädigt vor allem die Blutgefäße. Dadurch wird der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen. Beinamputationen, Blindheit Nierenversagen sowie Herz- und Hirninfarkte sind die schwersten Folgen.

#503 - Die Leber
Text #503

Die Leber ist eine Art Zentrallabor in unserem Körper. Sie erfüllt mehr als 500 verschiedene und zum Teil überlebenswichtige Aufgaben. Vor allem aber verarbeitet sie die Nährstoffe, die ihr über das Blut aus dem Darm zugeführt werden. Je nach Bedarf werden sie dort sofort verwertet, gespeichert, in andere Stoffe umgewandelt oder abgebaut. Außerdem produzieren die Leberzellen Gallensaft, der für die Verdauung von Fetten im Darm benötigt wird. Die Galle gelangt über den Gallengang in den Zwölffingerdarm oder wird, wenn gerade keine Verdauung stattfindet, in eingedickter Form in der Gallenblase zwischengespeichert.

Die Leber ist aber auch unser wichtigstes Entgiftungsorgan. Sie baut unter anderem Alkohol ab. Wird ihr mehr Alkohol zugeführt, als sie verarbeiten kann, verfettet sie. Die Leber schwillt dann an und sieht gelblich aus, so wie die Fettleber in dieser Vitrine. In diesem Stadium kann sich die Leber noch vollständig erholen, wenn man mit dem Trinken aufhört. Doch wer fortwährend übermäßig viel Alkohol trinkt, schädigt seine Leber dauerhaft. Die Leberzellen sterben dann nach und nach ab und werden durch Bindegewebe ersetzt. Dieses durchzieht das gesamte Organ wie ein Netz, so dass funktionstüchtige Zellen zu kleinen Inseln oder Knötchen zusammenschrumpfen. Eine solche Schrumpfleber ist ebenfalls in dieser Vitrine zu sehen.

#504 - Fettleibigkeit
Text #504

Dieser Längsschnitt stammt von einem schwer übergewichtigen Menschen. Das Fettgewebe hat sich nicht nur unter der Haut angesammelt, sondern auch im Körperinneren. Die Organe sind dicht in Fettmassen gepackt, und auch in den Organen selbst befindet sich mehr Fett als üblich.

Übergewicht ist in der gesamten westlichen Welt zu einem großen Problem geworden. Denn wer Übergewicht mit sich herumträgt, ist in der Regel auch kränker als Normalgewichtige. Sie leiden häufiger an Gelenkschmerzen, Bluthochdruck, Atemproblemen, Diabetes, Herzerkrankungen und sogar bestimmten Krebsformen.

Frau Whalley, warum sind in unseren Breiten so viele Menschen übergewichtig?
Zunächst einmal muss gesagt werden: Ein gewisses Maß an Körperfett ist notwendig. Es dient der Wärmedämmung, an bestimmten Stellen als Polster und vor allem als Energiespeicher für schlechtere Zeiten. Insofern hat sich unser Körper seit den letzten 40.000 Jahren nicht verändert. Doch unser Leben schon! Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist für uns energiereiches Essen jederzeit und im Übermaß verfügbar. Dabei mischt die Nahrungsmittelindustrie kräftig mit: sie produziert seit Jahrzehnten immer mehr zucker-, fett- und salzhaltige Lebensmittel in immer größeren Verpackungen. Da Salz in Kombination mit Fett alles schmackhafter macht, fällt es einem schwer, mit dem Essen rechtzeitig aufzuhören. Jeder von uns kennt das: Die Tüte Chips wird erst beiseitegelegt, wenn sie leergeputzt ist. Doch unser Körper ist weder für Schokoriegel für den kleinen Hunger zwischendurch, noch für Zweiliterflaschen Cola gemacht. Er ist vielmehr auf Überleben programmiert und speichert daher überschüssige Energien besonders effektiv in den Fettzellen. Wenn diese voll sind, teilen sie sich. Menschen mit hohem Körpergewicht können daher locker dreimal so viele Fettzellen haben wie Normalgewichtige.

Warum fällt das Abnehmen vielen Übergewichtigen so schwer?
Wenn Menschen abnehmen, haben sie immer noch so viele Fettzellen wie vorher. Sie sind nur weniger gut gefüllt. Irgendwann sind die Fettzellen so leer, dass sie nach Nahrung schreien: „Wir wollen Pizza!“ Die Diätesser bekommen Hunger, essen wieder dieselben Dinge wie früher und nehmen wieder zu. Dabei ist der Körper gewarnt – und speichert das Fett in Zukunft noch besser und produziert sogar zusätzliche Fettzellen. Das nennt man den Jojo-Effekt. Je öfter jemand versucht, durch Hungern abzunehmen, desto mehr wiegt er oder sie am Ende. Wenn überhaupt, hilft nur eine bewusste und dauerhaft angelegte Ernährungsumstellung in Kombination mit Bewegung. Vor allem aber ist es wichtig, unsere Kinder für eine gesunde Ernährung zu sensibilisieren. Denn die Grundlagen für Übergewicht werden meist in jungen Jahren geschaffen.

600 Ausscheidung & Geschlechtsorgane
#600 - Filtration und Fortpflanzung
Text #600

Durch die verschiedenen Stoffwechselvorgänge reichern sich in unserem Blut Abfallstoffe an, die unseren Körper wieder verlassen müssen. Andernfalls würden sie uns vergiften. Einen großen Teil dieser Abfallstoffe scheiden wir über die Nieren mit dem Urin aus. Sie sind so etwas wie die Kläranlage unseres Körpers. Um dieses Organsystem geht es im nächsten Ausstellungsabschnitt.

Außerdem werden Sie etwas über die Geschlechtsorgane erfahren. Sie entwickeln sich in der Embryonalphase gemeinsam mit den ableitenden Harnorganen. Daher haben diese beiden Organsysteme eine enge anatomische Beziehung zueinander und es ist sinnvoll, sie zusammen zu betrachten.

#601 - Der Harntrakt
Text #601

An diesen Präparaten kann man sehen, wie der Harntrakt bei Männern und Frauen aufgebaut ist. Er setzt sich zusammen aus den beiden Nieren, den Harnleitern, der Blase und der Harnröhre.

Die Nieren filtern unser Blut wie ein Sieb und bilden daraus den Urin. Mit ihm entledigen wir uns wasserlöslicher Abfallstoffe, die während des Stoffwechsels in den Zellen entstanden sind. Gleichzeitig regulieren die Nieren auch unseren Wasser- und Mineralienhaushalt. 15mal pro Stunde durchfließt dafür die gesamte Blutmenge unsere Nieren. 

Der Urin fließt von den Nieren über die Nierenbecken durch die Harnleiter in die Blase. Dort wird er gesammelt, damit wir ihn durch die Harnröhre kontrolliert ausscheiden können.

Bei der Frau sitzt das Ende der Harnröhre direkt vor der Vagina, hat aber keine Verbindung zu den Fortpflanzungsorganen. Mit einer Länge von nur vier Zentimetern ist sie um einiges kürzer als beim Mann. Dadurch kann es schneller zu Entzündungen im Harntrakt kommen. Die Harnröhre des Mannes ist dagegen etwa 20 cm lang: sie geht durch den Penis hindurch und endet an dessen Spitze.

Sie dient nicht nur dazu, den Urin loszuwerden, sondern auch, um beim Geschlechtsverkehr Sperma abzugeben. Dazu später mehr.

#602 - Die Nieren
Text #602

Die Nieren filtern ständig unser gesamtes Blut. Und zwar nicht nur einmal am Tag, sondern ganze 360 Mal! Bei einem Erwachsenen mit rund 5 Litern Blut dauert ein Waschgang also nur: 4 Minuten. Eine gewaltige Leistung! Aber wie macht die Niere das? Dazu Frau Dr. Whalley:

Das Blut gelangt über die Nierenarterien in die Nierenrinde, die hier an der aufgeschnittenen Niere rot dargestellt ist. Dort zweigen sich die Arterien in feinste Blutgefäße auf. Das kann man auch sehr gut an dem Gefäßpräparat etwas weiter in der Vitrine sehen. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man gerade noch mit bloßem Auge erkennen, dass die Kapillaren in der Rinde Knäulchen bilden, wie kleine Himbeeren. Jede Niere hat etwa zwei bis zweieinhalb Millionen dieser Knäulchen oder „Nierenkörperchen“. Sie sind jeweils von einer wasserdichten Kapsel umgeben. In diesen Knäulchen wird das Blut gefiltert und das Filtrat von der Kapsel aufgefangen. Daran schließt sich an ein Kanalsystem aus winzigen Röhren, die den Urin ins Nierenmark weiterleiten. Das sind die hellen pyramidenartigen Strukturen, die Sie an der aufgeschnittenen Niere erkennen können. Dort wird der Urin konzentriert und schließlich über Sammelgefäße ins Nierenbecken zur Ausscheidung weitergeleitet.

Die Nieren haben auch noch die Aufgabe, den Blutdruck zu regulieren. Das machen sie, indem sie mal mehr oder weniger Wasser in den Urin entlassen. Mehr Wasser im Blut bedeutet mehr Blutvolumen und einen höheren Blutdruck. Umgekehrt sinkt der Blutdruck, wenn die Nieren viel Wasser ausscheiden.

#603 - Männliche Fortpflanzungsorgane
Text #603

Ob klein oder groß, dick oder dünn: Der Penis ist das Zentrum der männlichen Lust. Doch Hoden und Nebenhoden, Samenleiter und verschiedene Drüsen sind von ebenso großer Bedeutung.

Von den männlichen Fortpflanzungsorganen außen sichtbar sind der Penis und der Hodensack.  Er enthält die beiden eiförmigen Hoden und die Nebenhoden. Die Hoden produzieren Tag für Tag etwa 500 Millionen Samenzellen. Sie reifen in den benachbarten Nebenhoden weiter heran und verbleiben dort bis zum nächsten Samenerguss.

Dass die Hoden außen liegen, hat übrigens einen Grund: für eine Spermienproduktion wäre es im Körper zu warm; sie brauchen es ein paar Grad kühler. Sitzheizungen sind daher nichts für zeugungswillige Männer.

 

Und nun interessiert Sie sicher brennend, was beim “Ah – jetzt – ja” genau passiert. Während des Orgasmus werden die Samenzellen aus den Nebenhoden zunächst in die Samenleiter und dann weiter in die Harnröhre ausgestoßen. Dort geben die Prostata und die Samenbläschen noch Sekrete dazu, die die Spermien ernähren und beweglicher machen. Alles zusammen bildet das Sperma. Es wird durch rhythmische Kontraktionen der Muskeln in die Harnröhre und nach außen geschleudert. Zwei Tage lang sind die Spermien dann befruchtungsfähig. Klingt weniger spektakulär, als es sich anfühlt.

Etwas weiter in dieser Vitrine werden die Prostata und die Samenbläschen auch noch einmal separat dargestellt. Die Prostata liegt im Körper direkt unterhalb der Blase und umschließt dort ringförmig die Harnröhre. Gleich dahinter liegen die Samenbläschen, die ein wenig wie Hörnchen aussehen.

Mit dem Alter neigt die Prostata dazu, sich aufgrund von hormonellen Veränderungen zu vergrößern. Oft drückt sie dabei auf die Harnröhre und verursacht dann Probleme beim Wasserlassen. Eine vergrößerte Prostata ist ebenfalls in dieser Vitrine zu sehen.

#604 - Weibliche Fortpflanzungsorgane
Text #604

Im Gegensatz zu den Samenzellen des Mannes sind die Eizellen der Frau schon von Geburt an in den Eierstöcken angelegt. Im geschlechtsreifen Alter reift daraus etwa alle 28 Tage eine Eizelle in einem der Eierstöcke heran und gelangt mit dem Eisprung in den Eileiter. Dieser befördert die Eizelle weiter in die Gebärmutter. Trifft sie unterwegs auf Samenzellen, findet die Befruchtung statt.

 

Wie man an diesem Präparat sehen kann, liegt die Gebärmutter knapp über und hinter der Blase. Sie ist ein Hohlorgan mit einer dicken Wand aus Muskelfasern. Wurde die Eizelle befruchtet, so hat sie sich bis zu ihrem Eintreffen in der Gebärmutter bereits mehrfach geteilt. Der Zellhaufen nistet sich in der Gebärmutterschleimhaut ein und wächst dort allmählich heran. Im Verlauf der Schwangerschaft vergrößert sich die Gebärmutter dann um mehr als das Zwanzigfache. Wurde die Eizelle nicht befruchtet, so wird sie während der Menstruation ausgestoßen, zusammen mit der Gebärmutterschleimhaut, die sich in jedem Zyklus neu aufbaut.

In den Vitrinen an der Wand gegenüber kann man sehen, wie die Geschlechtsorgane der Frau tief im Körperinneren verborgen liegen. Dort ist an einem Präparat auch die Klitoris dargestellt. Wenige Frauen, und noch weniger Männer wissen, dass die Klitoris dem Penis sehr verwandt ist. Lange Zeit hatte man gedacht, dass sie nur aus einem kleinen Hügel besteht, der sichtbar zwischen den Schamlippen liegt. Dabei handelt es sich um ein komplexes System aus erregbarem Gewebe, das tief in das Becken hineinragt. Die Klitoris hat Schwellkörper wie ein Penis, die sich bei Erregung mit Blut füllen und vergrößern. Und sie hat sogar doppelt so viele Nervenendungen wie ein Penis. Sie ist daher äußerst berührungsempfindlich. Ohne Klitoris können Frauen keinen Orgasmus erleben.

#605 - Die weibliche Brust & Brustkrebs
Text #605

Für die meisten Frauen ist es ein sehr inniger Moment, wenn sie ihrem Baby die Brust geben. Stillen stärkt die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Die Muttermilch ist genau auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Sie bietet eine Idealzusammensetzung aus Proteinen, Fetten und Kohlehydraten und schützt das Baby vor Erkrankungen.

Damit die Brust die Muttermilch produzieren kann, ist ihr Fettgewebe von Milchdrüsen und einem feinen Netz von Drüsengängen durchzogen. Die sind so fein, dass man sie nicht mit dem bloßen Auge erkennen kann. Während der Schwangerschaft erhöht sich ihre Anzahl erheblich. Die feinen Milchgänge münden in immer größer werdende Sammelgänge, die schließlich in der Brustwarze enden.

In den hier ausgestellten Längsschnitten können Sie den Unterschied zwischen einer gesunden Brust und einer von Krebs befallenen Brust deutlich erkennen. Der Brustkrebs ist der häufigste Organkrebs bei Frauen. Während die gesunde Brust ein lockeres, von Fettzellen durchsetztes Gewebe aufweist, ist die erkrankte Brust fast vollständig von derbem Krebsgewebe durchsetzt. Das Gefährliche an Brustkrebs ist, dass die Krebszellen früh aus der Brust auswandern und an anderen Stellen des Körpers Tochtergeschwülste bilden. Deswegen ist eine Früherkennung so wichtig.

Über die Entstehung von Krebs informiert der Film in diesem Raum.

700 Fortpflanzung & vorgeburtliche Entwicklung
#700 - Fortpflanzung
Text #700

Ihr Körper besteht aus Milliarden verschiedener Zellen, aber entstanden sind sie aus einer einzigen – als eine Samenzelle Ihres Vaters und eine Eizelle Ihrer Mutter miteinander verschmolzen sind. Dabei Sind Sie ein echter Glückspilz! Denn wenn ein Mann während des Liebesaktes zum Höhepunkt kommt, stößt er zwischen 200 und 500 Millionen Samenzellen aus. Das entspricht in etwa der Menge Reiskörner in der Wand gegenüber. Davon schaffen es überhaupt nur etwa 200 Samenzellen zum Ort der Befruchtung in den Eileiter. Und nur ein einziges Spermium schafft es, die Eizelle zu befruchten.

Die befruchtete Eizelle enthält den individuellen Bauplan eines ganzen Menschen. Diesen einzigartigen Chromosomensatz gab es so niemals vorher und wird es auch niemals wieder geben. Er prägt die Eigenschaften und Merkmale des neuen menschlichen Lebens. Sie sind also ein einmaliger Mensch! Ein anderes Spermium Ihres Vaters hätte ein völlig anderes Individuum hervor hervorgebracht.

#702 - Die Plazenta
Text #702

In den ersten zehn Wochen der Schwangerschaft bildet das heranwachsende Kind ein besonderes Organ aus, über das es sich mit Sauerstoff und Nährstoffen aus dem Blut der Mutter versorgt – die Plazenta. Es ist eine dichte Ansammlung von Blutgefäßen des Kindes, die in die Gebärmutterschleimhaut einwachsen. Über die Nabelschnur ist das ungeborene Kind mit der Plazenta verbunden.

An einer der hier ausgestellten Plazenten ist die Nabelschnur gut zu erkennen; dies ist die Seite der Plazenta, die dem Kind zugewandt ist.

Von der Nabelschnur ausgehend verlaufen die Arterien und Venen über das Gewebe und verästeln sich in der Tiefe zu einem dichten Kapillarbett. An den Rändern setzen die Eihäute an, die das Kind umgeben und die Fruchtblase bilden.

Das andere Exponat daneben zeigt die Seite der Plazenta, die mit der Gebärmutterwand verbunden ist. Die Kapillaren der Plazenta werden dort vom mütterlichen Blut umspült, so dass Sauerstoff und Nährstoffe übertreten können. Im Austausch werden Abfallstoffe aus dem Blut des Kindes aufgenommen. Dabei erfolgt der Stoffaustausch ausschließlich durch die Kapillarwände hindurch, ohne dass sich das Blut von Kind und Mutter durchmischt.

Eine weitere wichtige Funktion der Plazenta ist die Produktion verschiedener Hormone. Sie sorgen vor allem für den Erhalt der Schwangerschaft und stimulieren das Wachstum der Gebärmutter und der Milchdrüsen.

#703 - Embryonalentwicklung
Text #703

In diesen Gläsern sehen Sie frühe Entwicklungsstadien eines Menschen bis zur 8. Schwangerschaftswoche. In diesen 8 Wochen bezeichnet man die Leibesfrucht als Embryo.

Schon nach vier Wochen besitzt der Embryo ein Herz, eine Vorform der Augen und vier Knospen, aus denen die Gliedmaßen hervorwachsen. Nach acht Wochen sind alle wichtigen Organe als Anlage vorhanden, und die Leibesfrucht sieht bereits wie ein winziges Kind aus.